Archiv für die Kategorie ‘früher’
Fritz Baumgartner, 1929 – 2006
Fritz Baumgartner, der Maler österreichischer Herkunft, ist in München aufgewachsen. Er war eine herausragende Persönlichkeit, atypisch in der deutschen Kunstlandschaft.
Auszug aus dem Nachruf 10.10.2006: „Er startete auf dem Weg des Expressionismus (unter seinen Lehrern war Oskar Kokoschka) mit Visionen eines Lebens der Katastrophen. Zerstörte Lebewesen mit leeren Augen und zerfetztem Fleisch. Ab den siebziger Jahren entwickelte er einen unverwechselbaren Stil, den er bis auf einige geringfügige Veränderungen beibehielt. Die Figuren werden von einer schwungvollen Linie begrenzt, ihre Farbgebung ist von aller höchster Reinheit, aber sie haben keine dekorative Funktion, sondern eine symbolische. 
Männer- und Frauengestalten füllen den Raum, die archaisch maskenhaften Gesichter mit rätselhaften hohlen Augen, Schießscharten gleich. Baumgartner sucht nun nach Inspirationen im antiken Griechenland der dionysischen Feste und der elysischen Mysterien und im Kontrast dazu, in der klassischen Tragödie. Seine Kunst, ausgeübt in der modernen Intensität der Acrylfarben, bleibt nunmehr mythisch, beispielhafter Ausdruck des menschlichen Erlebens. Jedoch fast in direktem Zusammenhang fließen Kreuzigungsmomente der christlichen Lehre ein. 
Es folgen Kreuzigungen, Pieta und Mutterschaft, als sakrales Zeugnis der zeitgenössischen Kultur. Er hat hier ein besonderes Zeichen gesetzt in den kongenialen Glasfenstern, die er für Kirchen und Klöster seines Landes schuf und im Evangeliar, in Schrift und Illustrationen in der Art mittelalterlicher Handschriften – ein in unserer Zeit einzig dastehendes Werk. Gerade ein Werk wie dieses gibt einen umfassenden Eindruck des unermüdlichen, asketischen Schaffens von Baumgartner und seinem Gesamtoeuvre. 
Nicht vergessen darf man dabei, neben dem Haupteindruck seiner Kunst, die Bilder der Bayerischen Landschaften – die Berge, die Bäume, die Dörfer – von märchenhafter Farbigkeit, wie eine nostalgisch Darstellung und Vorstellung einer anderen Welt, fern von Tumult und Gottlosigkeit.“
Joan Mitchell, 1925 – 1992
Die amerikanische Malerin Joan Mitchell wurde schon früh in den Kreis der abstrakten Expressionisten augenommen. Die Bekanntschaft von Willem de Kooning und Franz Kline ermöglichte ihr den Einstieg.

Ihre frühen Bilder zeigen lyrische Abstraktionen aus vielen verschiedenen, gestisch gesetzten Tupfen, Sprenkeln und Strichen. In den 1950er Jahren zeigte sie ihre Arbeiten im Jewish Museum, New York.

1959 zog Mitchell nach Paris, wo sie bis 1979 mit dem informellen Maler Jean-Paul Riplelle zusammen lebte.

1972 erhielt sie die erste Museumsausstellung im Everson Museum of Art, New York. 1974 folgte eine Retrospektive.

Die Bilder der 1980er Jahre vergrößern die gestische Pinselarbeit zu einem dichten Geflecht von Farbschichten, die trotz der Abstraktion einen Naturzusammenhang in sich aufnehmen und in der Farbigkeit am Spätwerk von Monet geschult sind.
Hannah Höch, 1889 – 1978
Die deutsche Malerin Hannah Höch begann 1912 ein Studium an der Kunstgewerbeschule in Berlin. In der Grafikklasse lernte sie Raoul Hausmann kennen, von 1915 – 1922 sind sie ein Paar. Mit ihren Fotomontagen und Collagen leistete sie einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung des Dada in Berlin.
Von 1916 – 1926 arbeitete Hannah Höch unter anderem als Layouterin für Zeitschriften und Illustrierte. In der 1917 von Hausmann ausgerufenen Dada-Bewegung ist Höch neben Baader, Huelsenbeck, Grosz und Heartfield die einzige Frau unter den Berliner Dadaisten (Dadaismus = unklassifizierbare Anti-Kunst). Hannah Höch gehört 1919 zu den Erfindern der zeitkritischen Fotomontage. Die Künstlerin freundet sich Anfang 1920 mit Hans Arp und Kurt Schwitters an. Im gleichen Jahr ist eine erste gemeinsame Ausstellung. 1922 gestaltet sie zwei Grotten im MerzBau.
Höch trifft 1924 in Paris Theo van Doesburg und Piet Mondrian. In der Collage ‘Schnitt mit dem Küchenmesser Dada durch die letzte Weimarer Bierbauchepoche Deutschlands’ greift sie das aktuelle Zeitgeschehen kritisch auf. Sie pflegte einen spierischen, stark ironischen Umgang mit Medienfragmenten. Dennoch spiegeln ihre Collagen die Orientierungssuche der jungen Generation zwischen Kaiserreich und Zweitem Weltkrieg wieder.
Höch kommentierte und zeigte die unterschiedlichen Lebensstile der Großstadt, der Industrialisierung, der neuen Medienvielfalt und die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs. Sie greift die Rolle der ‘Neuen Frau’ auf. Über die Jahre läßt sich Hannah Höch auf keine Ausdruckform reduzieren. Sie malte, zeichnete, druckte, montierte, collagierte und fotografierte, entwarf Theaterkostüme und arrangierte Installationen.

Mit der Schriftstellerin Til Brugmann reist Hannah 1926 nach Holland. Drei Jahre wohnten die beiden in Den Haag, 1929 war ihre erste Einzelausstellung in Rotterdam. 1932 und 1933 stellte Hannah Höch in Amerika und Brüssel aus. 1936 trennt sich das Paar. Die Künstlerin ist erschüttert über den wachsenden Einfluss der nationalsozialistischen Bewegung. „Symbolische Landschaften“, Bilder mit surrealem Charakter und einem Hauch neuer Sachlichkeit entstehen.

1938 heiratet Hannah Höch den Pianisten Kurt Matthies. 1939 zog sich Hannah Höch nach Berlin-Heiligensee zurück. In Bildtiteln wie ‘Wilder Aufbruch’, ‘Angst’ oder ‘Resignation’ zeigt sich das Gefühl der Bedrohung. Nach Ende des Krieges, ist die Künstlerin eine der ersten, die aktiv das künstlerische Leben Berlins gestalten und dazu beitragen, die Kunst in Deutschland wieder aufzurichten. Sie nahm wieder an internationalen Ausstellungen teil. 1944 folgte die Scheidung von Kurt Matthies.

1965 wurde sie Mitglied der Akademie der Künste in Berlin, die Collagen, Gemälde und Aquarelle zeigen eine Tendenz zur Verinnerlichung zur Abwendung von der Gesellschaft. Dennoch übte Höch mit Ihrem Mut zur Materialvielfalt und ihrer entschiedenen Abkehr von der nachahmenden Kunstauffassung großen Einfluss auf nachfolgende Künstler wie z. B. die Pop-Art aus.
Im Alter von 88 Jahren stirbt Hannah Höch 1978 in ihrem Haus in Berlin-Heiligensee.

Hannah Höch pflegt einen spierischen, stark ironischen Umgang mit Medienfragmenten. Dennoch spiegeln ihre Collagen die Orentierungssuche der jungen Generation zwischen Kaiserreich und Zweitem Weltkrieg wieder.
Henri Matisse, 1869 – 1954
Der französische Maler Henri Matisse wurde nach dem Jurastudium in Paris Anwaltsgehilfe. Nebenher besuchte er die städtische Zeichenschule „Quentin de la Tour“. 1891 gab Matisse die Kanzleiarbeit auf um sich der Malerei zu widmen.

Im Atelier von Gustave Moreau lernte er seine späteren Mitstreiter Georges Rouault und Henri-Charles Manguin kennen. Bis zum Jahr 1898 stellte er konventionelle Bilder aus. 1898 heiratete er seine langjährige Freundin Amélie Parayre, mit der er eine Tochter und zwei Söhne hatte. In dieser Zeit malte Matisse in klassischem Stil.
Es folgen Landschaftsbilder in impressionistischer Malweise. Neue Anregungen kamen aus Werken von William Turner und den Neoimpressionisten wie Paul Serrat. Sein Gemälde Luxus, Stille und Wollust 1904 erregte im Salon des Indépendants Aufsehen.

Im selben Jahr entstanden die ersten fauvistischen Bilder. Die Heftigkeit der Farben gaben den Ursprung für diese Bezeichnung (fauves = wilde Tiere). Die realistischen Formgebungen zog sich immer weiter zurück, ohne ganz zu verschwinden. Das größte und wichtigste Bild der Ausstellung wurde von Leo Stein gekauft. Bei den Steins lernte Matisse die Maler der Pariser Avantgarde kennen. Unter ihnen Picasso, mit dem ihn eine lebenslange von Rivalität geprägte Freudschaft verband.

Auf Betreiben und mit Unterstützung seiner Bewunderer, Michael, Sarah, Gertrude und Leo Stein sowie Hans Purrmann, Marg und Oskar Moll und anderer gründete er eine private Malschule, die seinen Namen erhielt: „Académie Matisse“. Dort unterrichtete er von Januar 1908 bis 1911 und hatte schließlich 100 Schüler aus dem In- und Ausland.
Die Pariser Galerie Bernheim-Jeune nahm Matisse unter Vertrag. Einen namhaften Förderer fand er im russischen Kaufmann Sergej Schtschukin. Nach den Kriegszeiten suchte Matisse nach Strenge und Architektonik im Bildaufbau. Gleichzeitig reagierte er auf die kubistische Malweise von Picasso oder Georges Braque.

Ab 1916 verbrachte Matisse die Wintermonate in Nizza, deren gelöste Stimmung zeigt sich in üppigen Frauenakten mit kontemplativen Interieurs. Ein Hotelzimmer wird zum Paradisgarten, orentalische Pracht, plastische Aktfiguren. Diese Gemälde fanden eine breite Anerkennung. Im Jahr 1920 entwarf Matisse die Kostüme und das Bühnenbild für Djagilews Ballett Le Chant du Rossignol und widmete sich wieder der Arbeit an Skulpturen, die er in den vorhergehenden Jahren vernachlässigt hatte.
1927 erhielt Henri Matisse den begehrten Carnegie-Preis, der im folgenden Jahr Picasso verliehen wurde als Matisse in der Jury saß. Für den Sammler Albert Barnes gestaltete er eine große Wanddekoration. Es entstanden Zeichnungen, Kaltnadelradierungen und Lithografien. In den folgenden Jahren unternahm Matisse zahlreiche Reisen ins Ausland, die mit Ausstellungen und Retrospektiven seiner Arbeiten verbunden waren. Darüber hinaus fertige er Bühnenbilder an. In den fließenden Arabesten fand Matisse einen eigenständigen bildnerischen Rhythmus. Auch die Skulpuren der Zeit zeigen diesen Rhythmus.

1937 wurde Matisse von Léonide Massine gebeten, Dekorationen und Kostüme für Rouge et noir zu entwerfen, ein Ballett mit der Musik von Schostakowitsch und der Choreographie von Massine. 1940 trennte er sich von seiner Ehefrau und 1941 musste sich Matisse wegen Zwolffingerdarmkrebs einer Operation unterziehen, von der er sich kaum mehr erholen sollte. 1941 zieht sich Matisse ans Mittelmeer zurück.
In seinem, nach einem Luftangriff auf Cimiez im Jahr 1943 bezogenen, Atelier in der Villa Le Rêve in Vence begann er an seinen Schnitt- und Klebekompositionen für sein Buch Jazz zu arbeiten. Lange Jahre war Matisse ans Bett gefesselt und experimentierte mit Papierschitten. Matisse wollte die Kraft der reinen Farbe vermitten, mit den Gouache Papieren kommt dies am deutlichsten zum Ausdruck.

Seine letzte große Aufgabe war die Ausgestaltung der Capelle du Rosire in Vence. 1945 begann Henry Matisse mit der Ausstattung der Dominikanerkapelle. Diese 1951 fertiggestellte Arbeit nannte er selbst sein „Meisterwerk“. sie wurde 1951 eingeweiht.

Henri Matisse stirbt 1954 in Nizza an einem Herzanfall.
Leo, 1861 – 1921, und Gertrude Stein, 1874 – 1946,
Die Familie Stein waren deutsche Juden. Die Geschwister (5 Kinder) wuchsen wohlbehütet auf und studierten an diversen Universitäten. 1903 gingen Leo und Gertrude Stein nach Europa. In Paris eröffnete Gertrude Stein einen Salon, der sich zu einem Zentrum der schriftstellerischen Avantgarde entwickelte.

Sie war jung genug, die Künstler zu verstehen, reif genug, um sie zu fördern und vermögend genug, um die Bilder zu kaufen. Und so kaufte sie viele Bilder der damals noch unbekannten Künstler Cézanne, Monet, Renoir, Daumier, Gauguin. Ihr Salon zählte zu den wichtigsten Treffpunkten der Pariser Künstlerszene, und zwischen den Malern und Schriftstellern kam es zu einem regen Austausch.

1907 lernte Gertrude Stein ihre Lebensgefährtin Alice B. Toklas kennen. 1909 veröffentlichte sie ihr erstes Buch Three Lives im Selbstverlag. Leo Stein verließ die gemeinsame Wohnung im Jahr 1913, da er das Zusammenleben mit Alice B. Toklas nicht mehr tolerieren wollte. Zu einer Aussöhnung der Geschwister kam es nicht mehr.
Gertrude Stein gehörte mit ihrer extrovertierten Art zu den Kultfiguren der Kunst- und Literaturszene ihrer Zeit. Durch einen von ständigen Wortwiederholungen geprägten Stil wollte sie nach eigenem Bekunden den Kubismus der abstrakten Malerei in die Literatur übersetzen. Kritiker warfen ihr vor, sie habe sich allein der Mühe entziehen wollen, ihre Texte gründlich zu überarbeiten und dies im Nachhinein literarisch zu überhöhen versucht. Mit ihren Schriften zählt sie zur Avantgarde des 20. Jahrhunderts.
Sie prägte den Satz A rose is a rose is a rose is a rose (aus dem Gedicht Sacred Emily im Band Geography and Plays von 1913), der mit dem Gleichklang von a rose und Eros spielt.
Gertrude Stein hat mit ihrem Stil Grenzen gesprengt. Sie war die erste moderne Schriftstellerin, die ohne Interpunktion schrieb. Damit übernahm sie für ihr Werk das, was ihr in der Malerei an Abstraktem gefiel. Wort für Wort reihte sie so ihre Gedanken aneinander. Sie überließ es den Lesern, sich von ihren Wortketten einnehmen zu lassen. Und sie war sich ihrer Wirkung sicher: „Meine Sätze kriechen Ihnen unter die Haut, aber Sie merken es nicht, dass dies der Fall ist.“
Ihr Einfluss auf die neue Literatur ist nicht zu unterschätzen: Sherwood Anderson hat sie eine Pfadfinderin genannt, Louis Bromfield betrachtete ihr Buch The Making of Americans als ein wichtiges Werk für die junge moderne literarische Bewegung. Hemingway schrieb ihr, welchen Einfluss sie auf sein Werk gehabt hatte und sorgte auch dafür, dass ihr Werk The Making of Americans zumindest teilweise in der Transatlantic Review erschien.
Roy Lichtenstein, 1923 – 1997
Der Maler Roy Lichtenstein wurde in New York geboren. 1939 began Lichtenstein sein Studium bei Reginald Marsh an der Art Students League, ein Jahr später ging er ans Ohio State College. Dorthin kehrte er nach einem dreijährigen Militärdienst in Europa zwischen 1943 und 1946 zurück. In dieser Zeit malte Lichtenstein im Stil der amerikanischen Genre- und Historienmalerei.

Eine erste Einzelausstellung bracht wenig Erfolg, so dass Lichtenstein seinen Lebensunterhalt zunächst als Zeichenlehrer, technischer Zeichner und Schaufensterdekorateur verdiente. Er schuf zwischen Kubismus und Expressionismus angesiedelte Objekte aus Holzresten. Seine Lehrtätigkeit übte er ab 1957 an der New State University in New York und später am Douglas College der Ruthers University in New Brunswick aus. In dieser Zeit entstanden gegenstandslose abstrakt-expressionistische Gemälde und die ersten Zeichnungen mit Comicfigurern.

Durch Allen Kaprow lernte Lichtenstein die neuen Kunstformen des Happenings und der Performance kennen, sein Interesse am Thema der amerikanischen Massenkultur war geweckt. Ab 1960 gab er seinen gestisch-abstrakten Stil auf und bezog die Bildproduktion der Massenkultur in seine Werke ein. 1961 malte er sechs großformatige Bilder nach Comicstrips, die er einschließlich Sprechblasen und Rasterpunkten auf die Ölmalerei übertrug. Der Kunsthändler Leo Castelli nahm ihn daraufhin unter Vertrag.
Das Markenzeichen von Lichtenstein wurden die in plakativen schwarzweiß oder in Primärfarben gemalten Motive aus der Alltags- und Massenkultur sowie Warenwelt. Er fand seine Motive in Versandhauskatalogen, Comics und Illustrierten. Von 1960 bis 1970 entstanden durch Rasterpunkte strukturierte Reproduktionen bedeutender Werke von Künstlern wie Paul Cézanne, Fernand Léger, Henri Matisse oder Piet Mondrian.

In der Brushstroke-Serie übertrug Lichtenstein den vergrößerten gestischen Pinselstrich des abstrakten Expressionismus in ein mechanisch wirkendes, ironisch verfremdetes Rasterbild (1965). In dieser Zeit beschäftigte er sich mit dem Art Déco. In der Werkstatt von Gemini G.E.L., fängt der Künstler 1969 mit der Fertigung von Siebdrucken an.

1969 – 1972 entstanden die Mirror-Bilder, die das Phänomen der optischen Täuschung behandelt. In der Atelierwand-Serie griff Lichtenstein das Motiv des Künstlerateliers auf und zitierte Phasen seines eigenen Schaffens.

In den 1970er und 1980er Jahren entwarf der Künstler große Wandbilder. Abnehmer waren u.a. die medizinische Fakultät der Universität Düsseldorf, die Leo Castelli Gallery. In den 1980er Jahren wurden seine Bilder zunehmend komplexer. So kombinierte er einen dem Abstrakten Epressionismus nachempfundenen Malgestus mit Bildresten in der Rastertechnik und malte kontrastierende Bilder-im-Bild. Ein dokument intensivierter Kunsthistorischer bzw. werkgeschichtlicher Reflexion ist die Serie Reflections (ab 1988).

Ab 1990 widmete er sich verstärkt der Plastik. In den 1990er Jahren entdeckt er den weiblichen Akt, die chinesische Landschaftsmalerei als Bildgegenstand und gestaltete zahlreiche monumentale Arbeiten, darunter Skulpturen und mehrere Wandmalereien. Rund um die Welt wird sein Werk in stark beachteten Retrospektiv-Ausstellungen gefeiert.

Am 29. September 1997 starb Roy Lichtenstein in New York.
Pablo Picasso, 1881 – 1973
Pablo Picasso wird am 25. Oktober 1881 in Málaga geboren. Er tritt in Barcelona in eine Kunstschule ein und nahm Unterricht beim Vater. Allerdings missfiel ihm der akademische Unterricht bald; er hielt sich lieber in Künstlerkreisen auf.

Im Jahre 1900 unternimmt Pablo Picasso zusammen mit seinem Freund Carlos Casagemas eine erste Reise nach Paris, wo ihn die Werke von Degas und Bonnard beeindrucken. 1901 lernte Picasso den Kunsthänder Vollard kennen, der ihm eine erste Ausstellung einrichtete. 1902 malte Picasso seine berühmten Bilder der ‘Blauen Periode’.

In den folgenden Jahren ist er als Kunstredakteur der Zeitschrift „Arte Joven“ tätig, und unternimmt eine zweite Parisreise. Mit zahlreichen Bildern aus dem Gaukler und Zirkusmilieu began 1905 seine ‘Rosa Periode’ mit der er später den Kunstkritier Guillaume Apollinaire für sich gewann.
Leo und Gertrude Stein waren die ersten Käufer seiner Bilder und vermittelten wichtige Anregungen u.a. zur afrikanischen Stammeskunst. Es entstanden archaische Holzfiguren und Frauenbildnisse. Das bekannteste daraus sind die Les Demoiselles d’Avignon, die seinerzeit ein Skandal waren.

Der Kunstkritiker Vuxcelles prägte 1908 anläßlich einer Ausstellung von Georges Braque den Begriff ‘Kubismus’, der eigentlich negativ gemeint war. Dank dem Einsatz von Apollinaires setzte sich der Begriff für eine neue Kunstrichtung durch. Landschaften, Architekturen und Formen vereinfachten sich immer mehr, die Farbpalette reduzierte sich. Der Weg ging vom ‘analytischen Kubismus’ zum ’synthetischen Kubismus’.
Für seine Kunstwerke verwendete Picasso auch die Collagentechnik. Es entstanden Konstruktionen aus Papier, Karton, Blech und Draht, die die Materialästhetik der Bildhauerkunst revolutionierten.
1917 gestaltete Picasso das Bühnenbild für die ‘Ballets Russes’. Die nächsten Jahre vermischten sich verschiedenen Stilrichtungen. Es gab kubistische Gemälde, neoklassizistische, sachliche und später auch surrealistische Werke.
1925 nahm Picasso an der ersten Surrealistischen Ausstellung in Paris teil, doch seine Einstellung zum Surrealismus war sehr zwiespältig. Die Theorien gewannen nie die Oberhand, Traumelemente fanden nur selten den Weg in seine Gemälde. Ab 1930 verlangsamte sich das malerische Werk, in dieser Zeit entstanden eine Reihe bedeutender Plastiken, Assemblagen und Drahtobjekte.
Nach dem Luftangriff der Deutschen auf die baskische Stadt Guernica malte Picasso das gleichnamige monumentale Bild für den spanischen Pavillion der Pariser Weltausstellung. Die Fotografin Dora Maar, seiner damaligen Geliebten, dokumentierte die Entwicklung des Bildes, das zu einem Schlüsselwerk seines Kunstschaffens wurde.

Die Kriegsjahre verbracht Picasso in Paris. Er schrieb das Theaterstück ‘Wie man die Wünsche am Schwanz packt’ in surrealistischer-dadaistischer Tradition. Experimente mit Keramiken , Glasuren, verschiedenen Tonsorten folgten. Es entstanden eine Reihe von skurrilen Objekten und bemalten Gebrauchtgegenständen.
In den 1950er Jahren entstanden Umsetzungen bekannter Bildthemen und Paraphrasen auf Meisterwerke von Eugéne Delacroix, Eouard Manet und Diego Velázquez.
Seine letzten Lebensjahre waren voller Produktivität. Es entstanden grafische Blätter zu den Themen ‘Maler und Modell’ sowie ‘Zirkus und Stierkampf’. Allein 200 Bilder entstanden von 1970 – 1972, die in ihrer ‘wilden’ Machart und Erotik noch einmal die außerordentliche Lebenskraft von Picasso zeigen. Sein Leben wurde von 2 Ehefrauen und mehreren Freundinnen und Geliebten begleitet.
Pablo Picasso stirbt am 8.April 1973 in Mougins.
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Richard Lindner, 1901 – 1978
Der Hamburger Richard Lindner war jüdischer Abstammung. Er studierte und lebte in Nürnberg, München und Berlin. Er war als Illustrator, Werbegrafiker und Bühnenbildner tätig und emigrierte 1933 mit seiner Frau nach Paris. Nach der deutschen Kriegserklärung wurden beide im Lager Villemalard interniert. 1940 konnte seine Frau nach New York entkommen, 1941 folgte er.1942 trennte sich das Paar.

1943 erwarb Lindner die amerikanische Staatsbürgerschaft. Seit 1940 war er überzeugt, dass die Malerei seine wahre Berufung sei, obwohl er bis 1962 weiter als Illustrator für Zeitschriften und Bücher tätig war und er keine nennenswerten Erfolge mit seinen Bildern verzeichnen konnte. Der Tod seiner Schwester (1915) löste eine tiefe Verstörung bei ihm aus, beim Tod seiner Ex-Frau (1952) wiederholte sich dies. 1950 stellte er nach einer Paris-Reise drei Gemälde der ‘Wunderkind’-Darstellung fertig.

Durch einen Lehrauftrag am Pratt Institute in Brooklyn (Schule für Werbekunst) erhielt Lindner den entscheidenden Anstoß, seine Malerei zu professionalsieren. 1954 fand seine erste Ausstellung in New York statt. 1959 lernte er Andy Warhol kennen. Aber erst 1960 änderte sich sein Status, als die Pop-Art aufkam, obwohl seine Bilder nichts mit der Inszenierung der Massenkultur und ihrer Idole zu tun haben.

Es folgten Ausstelllungen in London und Paris. Richard Lindner erfand immer stärkere Figuren, vereinsamte Gr0ßstadtbewohner, lasziv-tyrannische Frauen und unglückliche Kinder, die seine Hassliebe zur amerikanischen Gesellschaft zeigen. Die Werke sind aggrressiv farbig, penibel gemalt, kühl-distanziert. Durch die Darstellung der Halbwelt mit Prostituierten und Gangster wurde er bekannt.

Anfang 1970 pendelte Lindner zwischen Paris und New York und widmete sich verstärkt dem Thema Entfremdung und Paarbeziehung. Im Verlauf der Jahres 1972 wird Lindner zum Mitglied der American Academy of Arts and Letters gewählt, eine Auszeichnung, die der Maler mit Stolz aufnimmt. 1974 eröffnet das Musée National d’Art Moderne in Paris die Retrospektive „Richard Lindner“.
Am 16. April 1978 erliegt Richard Lindner in seiner New Yorker Wohnung einem Herzanfall.
Keith Haring, 1958 – 1990
Der amerikansche Maler Keith Haring zeichnete bereits als Kind mit seinem Vater Comics. Er lernte an der School of Prefessional Art in Pittsburgh, wechselte zur School of Visual Arts. Er ließ sich von der Graffiti-Szene inspirieren, schuf Videoperformances und abstrakte Bilder. Berühmt wurde er durch seine weißen Kreidezeichnungen auf schwarzen Werbeflächen in der New Yorker U-Bahn.

Haring bemalte ab 1981 die unterschiedlichsten Gegenstände: Wände, Kleidungsstücke, Autos, Ballons, Abgüsse von Skulpturen uvm.. Er schuf Skulpturen aus farbigen Stahlplatten, Werbesports, Bühnenbilder und veranstaltete Workshops.

Seine Anfänge waren von der ‘Cobra’-Gruppe beeinflusst. Seine Inspirationsquelle blieb der Comic, Graffiti und primitive Kunst. In seinem Werk verbindet sich die Spontaneität der Graffiti-Kunst mit der ornamentalen Brillanz archaischer Kulturen. Keith Haring stieg zur Pop Ikone auf, weil er es verstand seine malerischen Fähigkeiten mit einem an die Pop-Art angelehnten Starkult zu verbinden.

Strahlende Ufos, Hunde und Strichmännchen bevölkerten seine Werke. Das Motiv der Strahlung verbindet sich häufig mit Symbolen der Sexualität als energetisch hohem Zustand. In seinen tanzenden Bildern findet man den Rap und Breakdance von East-Village. Der Höhepunkt seiner Karriere war die Ausstellung seines ’strahlenden Babys’ auf der Anzeigetafel des Times Square in New York 1982.

Mitte der 1980er Jahre wurden seine Motive düsterer und gewalttätig. Haring bezog politisch Stellung, behandelte die Unterdrückung der farbigen Bevölkerung und die Bedrohung der Umwelt durch die Nukilearindustrie in seinen Gemälden. Sein politisches Engagement war mit zahlreichen Plakatgestaltungen verbunden.

Keith Haring nahm an der Biennale in Paris teil, hatte Einzelausstellungen in Helsinki und Antwerpen. 1986 gründete er in Manhatten den Pop-Shop, in dem er jedem seine Kunst zugänglich machte. Die Herstellung kommerzieller Produkte war jedoch nicht nur ein Phänomen der Ökonomisierung des Kunstmarkts in den 1980er Jahren, sondern auch Ausdruck eines zutiefst demokratischen Denkens von Keith Haring.

Seit der HIV-Infektion 1987 beschäftigte sich Haring immer wieder mit der Todesthematik, zeigt als fast abstraktes Ornament eine Menschenmenge über einem rosa Dreieck. Der ‘rosa Winkel’ fordert den Betrachter zur Stellungnahme auf, dazu, sich anders zu verhalten als die Figuren im Bild, die ihre Augen vor dem Schicksal der Homosexuellen verschließen. 1989 realisierte er in Chicaggo mit Hilfe von Schulkindern ein Wandbild von 152 m Länge.

1990 starb Keith Haring an den Folgen von Aids.
Henri Rousseau, 1844 – 1910
Der französische Maler Henri Rousseau lernte in einer Kanzlei bei einem Advokaten und arbeite später als Zollbeamter. Gerade in Künstlerkreisen brachte ihm dieser Broterwerb den Beinamen ‘Der Zöllner’ ein.

Erst 1893 machte er sich als Maler selbständig und lebte mit seiner Familie im Viertel Montparnasse, erteilte Musik- und Zeichenunterricht und malte. Sein Leben verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle. Rousseau bemühte sich stehts um Anerkennung als Künstler, stilisierte sich dabei selbst und erntete dabei oft nur Spott und Hohn.

Als Ratgeber für seine Kunst benennt Rousseau selbst Félix Clément und Jean Léon Gérôme, die ihm ermöglichten im Louvre zu kopieren. Ins Licht der Kunstgeschichte trat er mit seiner Beteilung am neu gegründeten Salon des Indépendants 1886. Mit Ausnahme der Jahre 1889 und 1900 stellte er dort regelmäßig aus. Anfangs wurden seine Bilder als zu naiv belächelt, gerade in der Zeit der Experimente war seine Art der Malerei ungewöhnlich. Dennoch erkannten einige Künstler den künstlerischen Ernst dahinter, z. B. Robert Delauny. Eins seiner schönsten Werke ist sicher ‘Die Schlangenbeschwörerin’.

Nach dieser Auftragsarbeit der einflußreichen Mutter Delauny’s startete die Künstlerkarriere von Rousseau. Kunsthistoriker, Sammler und Galeristen wurden auf den Maler aufmerksam. Er konnte zu seinen Soirees Nachbarn, Freunde und die Créme der Pariser Avantgarde willkommen heißen. Auch der kritische Pablo Picasso richtete ein legendäres Bankett im Novemer 1908 im Bateau-Lavoir zu Ehren des ‘Zöllners’ aus. Rousseau wurde als Kultfigur der künstlerischen Boheme zelebriert, als ein um Anerkennung ringender einsamer Künstler, der sich seiner Bedeutung selbst gar nicht bewusst war.

Bekannte Werke sind die Dschungelbilder Rousseaus. Zur Entstehung haben Spaziergänge im Jardin des Plantes oder die exotischen Idyllen der Pariser Weltausstellung, sowie die Vorlieben für Alben mit Tierfotografien. Rousseau verwandelt Eindrücke in Phatasmagorien zwischen Traum und bizarren Begegnungen. Schrecken, Aggression und Erotik halten sich die Waage.

Henri Rousseau starb am 2. September 1910 im Hospital Necker in Paris nach einer Blutvergiftung.
Erst nach seinem Tod erkannten die Maler der Pittura metafisica (Kunstströmung: metaphysische Malerei) und die nachfolgenden Surrealisten die poetische Tiefe von Rousseaus Bildern. Eine erste postume Ehrung in Deutschland wurde ihm durch die Einbeziehung in die erste Ausstellung der Künstergruppe ‘Der blaue Reiter’ zuteil.
Tamara de Lempicka, 1898 – 1980
Die polnische Künstlerin Tamara de Limpicka wurde in Warschau geboren. Die ’schöne Polin’, wie man sie in der Pariser Gesellschaft der zwanziger und dreißiger Jahre nannte, wurde 1898 als Tochter wohlhabender Eltern in Warschau geboren. Schon als Kind soll sie herrschsüchtig und eigenwillig gewesen sein, immer darauf bedacht, im Mittelpunkt zu stehen.

Nach der zweiten Heirat ihrer Mutter entschied sie sich für ein Leben bei Ihrer Tante in Petersburg , wo sie das luxuriöse Leben kennen und lieben lernte. Dort heiratete sie mit 18 den Anwalt Tadeusz de Lempicki. Nach der Oktoberrevolution 1917 wurde ihr Ehemann verhaftet. Tamara flüchtete nach Kopenhagen, ihr Ehemann folgte nach seiner Freilassung.
In Paris began Tamara de Limpicka wieder zu malen und sorgte so für den Unterhalt der Familie. Ihre Lehrer waren Maurice Denis und André Lhote. Sie war entschlossen Erfolg zu haben und ‘produzierte’ bewußt Werke, die den Zeitgeschmack trafen.

Als 1925 die erste Art-déco-Ausstellung statt fand, gehörte Tamara de Lempicka zu den Stars der Art-déco-Maler. Ihre Portraits und Akte zeigen Frauen, die von anerkannter und erfolgversprechender Schönheit sind. Ihre Motive sind einzigartig und vermitteln Spannung. Sie bedienten die erotischen Sehnsüchte, die libidinösen Träume der Bourgeois, ihrer kaufkräftigen Kundschaft. Sie selbst inszenierte sich als Diva, hatte eine Reihe von Affären und verkehrte hauptsächlich in Haute-Volée-Kreisen.
Auch ihre Modelle wählte sie gezielt aus und porträtierte Angehörige der Elite. Jedes mit ihrem Namen signierte Bild erwies sich als Eintrittskarte in die Pariser Gesellschaft. Ihr Vorhaben, den damals in ganz Europa als Dichter, Romancier, Dramatiker und Liebhaber gefeierten Gabriele d’Annunzio zu verführen und zu porträtieren, verwarf sie wieder; zwar war er verrückt nach ihr, doch sie mochte sich nicht in die Vielzahl seiner Liebschaften einreihen.

Später widmete sich Tamara Frauen, die sowohl ihre Modelle als auch ihre Liebhaberinnen wurden. Überhaupt fällt auf, dass sie wiederholt weibliche und männliche Rollenmuster in ihren Bilder vermischte: die Frau als Verführte und Verführende. Auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs riss man sich darum, von ihr gemalt zu werden und sie nahm horrende Preise für ihre Porträts.
Mitte der 1930er Jahre litt Lempicka an Depressionen, ihr Schaffen versiegte.
Ihre zweite Ehe führte sie mit dem ungarischen Baron Kuffner de Diószegh. Mit ihm emigrierte sie im Alter von 41 Jahren abermals, dieses Mal floh sie vor den Nazis. 1939 blieb die Familie Lempicka-Kuffner nach einem Urlaub in den USA, wo für Tamara de Lempicka ein weiterer Lebensabschnitt began.

Zwar hatte sie weiterhin ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit und konnte sich bald die beliebteste Malerin Hollywoods nennen, doch vermochte sie künstlerisch nicht mehr zu überzeugen. Ihr späterer Versuch, mit dem Nicht-Gegenständlichen ein Comeback zu schaffen, scheiterte. Längst hat die Pop-Art von den USA Besitz ergriffen. Auf einer Ausstellung in New York musste sie 64jährig erkennen, dass sie nicht mehr gefragt war und stellte bis zu ihrem Lebensende nicht mehr aus.
Sie stirbt im Alter von 82 Jahren in Mexiko.
Joan Miró, 1893 – 1983
Der spanische Maler Joan Miró studierte an einer privaten Kunstschule und interessierte sich für die französischen Fauves und Kubisten. Er gab sehr früh seine Tätigkeit als Buchhalter auf und widmete sich ganz der Kunst. Seine erste Austellung war im Jahr 1918 in der Galerie Dalmau in Barcelona. Im folgenden Jahr reiste er nach Paris und lernte Pablo Picasso kennen.

Von da an verbrachte er die Wintermonate in Paris und malte im Sommer in Spanien. In Paris gehörte er zur Avantgarde und wurde 1924 – 1940 Mitglied der Surrealistengruppe. Seine erste Werke zeigen fauvistischen Einfluss und sind zugleich formal kubistisch angelegt. Es finden mehrere Ausstellungen in Paris, New York und Brüssel statt. Miró widmete sich zunehmend der Collage und entwickelte daraus das Materialbild. Von dieser Phase ging der Maler schrittweise zu figürlichen Darstellungen mit detailbetonten, magisch wirkenden Realismus über, der kubistische Formfassetten sowie surreallistisch freie Zeichen aufweist.

Schon gegen Mitte 1920er Jahre abstrahierte und verfremdete Miró seine Wiedergaben schrittweise. Sie wurden zu linearen Bildzeichen vereinfacht. Miró verdichtete bizarre Formen zu Gebilden von poetischer Ausstrahlung. 1937 entstand das Wandgemälde „Der Schnitter“ für den spanischen Pavillon auf der Pariser Weltausstellung. Joan Miró kehrte nach einen mehrjährigen Aufenthalt in der Normandie im Jahr 1940 nach Barcelona zurück und ließ sich anschließend auf Mallorca nieder.

Seine bezeichnenden Elemente waren von da an Sternformen, verschlungene Linien, figürliche Kürzel, Sonnen- und Mondzeichen in kräftigen Farben. Sein Fantasiereichtum schien unendlich. Die gleiche Vielfalt zeichnete auch seine druckgrafische Produktion aus. Das reiche grafische Schaffen der surrelistischen Werkphase begleiteten zahlreiche Objekte, Bronzeskulputen und Keramikarbeiten. Ab dieser Zeit entstanden vorwiegend plastische Arbeiten, meist aus Keramik. 1947 zeigte Miro seine erste Einzelausstellung in New York. Ausstellungen in nahezu allen bedeutenden internationalen Galerien folgten. Joan Miró war Teilnehmer der documenta 1 (1955), der documenta II (1959), der documenta III (1964) und auch der documenta 6 im Jahr 1977 in Kassel.

1958 erwarb Miró die Dotierung des Internationalen Guggenheimpreises von Son Boter, welches ursprünglich als Skulpturenwerkstatt geplant war, aber im Laufe der Zeit zu seinem zweiten Malstudio wurde. Mirós Spätwerk wurde von großformatigen abstrakten Gemälden bestimmt, der Künstler komponierte die sogenannten „Sobreteixims“, Textilbildwerke in die Gegenstände eingearbeitet sind.

Aus Sorge, sein kreatives Umfeld könnte in Vergessenheit geraten oder ganz verschwinden, übergab Miró einen Teil seines Besitzes als Schenkung der Stadtverwaltung von Palma. Auf Grund der Schenkung wurde 1981 die Stiftung „Fundació Pilar i Joan Miró a Mallorca“ gegründet. Seine einzige Tochter, Maria Dolors Miró Juncosa, war Ehrenvorsitzende der Miró-Stiftungen in Barcelona und Palma.

Joan Miró starb am 25. Dezember 1983 in Palma de Mallorca.
Modigliani Amadeo, 1884 – 1920
Modigliani war ein italienischer Zeichner, Bildhauer und Maler ein Prototyp des Peintre maudit (frz. ausgestoßender Künstler). Der aus Livorno stammende Künstler schuf Frauenakte und charaktervolle Portraits sowie Skulpturen.

Modigliani war ein kränkelnder Künstler, er blieb durch zwei schwere Tuberkulose-Erkrankungen zeitlebens geschwächt. Im Atelier von Guglielmo Micheli erhielt er Zeichen- und Malunterricht. 1902 gründete er in Florenz mit Oscar Ghiglia eine Ateliergemeinschaft, er wurde Schüler von Giovanni Fattori an der freien Aktschule und studierte die alten Meister in Museen und Galerien.

1906 zog er, von Toulouse-Lautrec beeindruckt, nach Paris. Dort kam er in Kontakt mit bedeutenden Künstlern wie Pablo Picasso, Diego Rivera, Guillaume Apollinaire, André Derain u.a. Er malte Portraits von ihnen, pflegte deren Bekanntschaften. Seine Arbeiten zeigen den Einfluss von Paul Cézanne, Paul Gaugin und Toulouse-Lautrec sowie die Auseinandersetzung mit der ‘Blauen Periode’ von Picasso. Mit den Portraits seiner Freunde bestritt er oft seinen kargen Lebensunterhalt.

Am stärksten zog es Modigliani zur Plasik, die Bekanntschaft mit dem Bildhauer Constantin Brancusi war wohl der Hauptgrund dafür. Modigliani machte Anleihen bei afrikanischer, ägyptischer und kykladischer Kunst. Die emotionale Kraft der Stammeskünste war für sein Bemühen sehr wichtig. Seine Skulpturen sind ausdrucksvoll, gefühlsbetont, von klassischen Schönheitsidealen und anatomischer Genauigkeit befreit. 
Nach dem ersten Weltkrieg widmete er sich ausschließlich der Malerei. Seine Technik entwickelte sich vom tupfenden Farbauftrag zum kantigen, kubistischen Stil. 1916 stellte ihm der Kunsthändler Leopold Zborowski ein Atelier zur Verfügung. Modigliani schuf dort eine Serie von Aktzeichnungen, die vor allem seine Geliebte Jeanne Hébuterne zeigen. Die erste von Zborowski organisierte Einzelausstellung löste einen Skandal aus und blieb finanziell erfolglos.

Der Krieg und die fortschreitende Tuberkulose veranlassten den Künstler ein Jahr an der Côte d’Azur zu leben. Seine Figuren und Gesichter wurden manieristischer. Im Gegensatz zur Ruhe seiner letzten Aktbilder blieb der Lebenswandel des Künstlers turbulent und unbestimmt. Zeitlebens hatte Amedeo Modigliani wenig Erfolg mit seiner Kunst, erst nach seinem Tod erreichte er größere Popularität und seine Kunstwerke erzielten hohe Preise.
Am 24. Januar starb Modigliani in der Pariser Charité, am Tag danach beging die hochschwangere Jeanne Selbstmord.
Corregio, 1489 – 1534
Corregio, hieß eigentlich Antonio Allegri, war meist in Prado und Corregio tätig. Seine Schaffen viel in die Wirkungszeit von Leonardo da Vinci und Raffael. Er malte Altarbilder und inszenierte gewaltige illusionistische Räume. Er schuf liebliche Madonnen, verführerische mythologische Szenen und war wegweisend für die Folgegeneration von Barocci bis Rubens. Neben Raffael war er der größte unter den Alten Meistern.

Die Bilder seiner frühen Periode zeichnen sich durch eine stimmungsvolle Weichheit aus. Hier die Abbildung der Vermählung der hl. Katharina.

Ein Hochaltarbild, 1514 – 1515, für San Francesco in Corregio bringt dem Künstler den Wendepunkt. Er vereint monumentale aber graziöse Figuren im Stil Leonardos und Mantegnas mit präziser Renaissancearchitektur. Raumillusionen mit durchdachter Lichtführung und perfekt umgesetzten Verkürzungen wurden voller Eleganz ausgeführt. Sie vermitteln eine Vorstellung von himmlischer Bewegung, von Schweben und Unendlichkeit.

Danae, 1531-32, 161 cm x 193 cm
Von 1518 bis 1519 besuchte er die vatikanischen Paläste um die Werke von Raffael und Michelangelos zu studieren. Die Deckenfresken des Benediktinerinnenkloster San Paolo in Parma entstanden danach. Sie waren der Durchbruch in Sachen Monumentaität und Souveränität bei der Darstellung des nackten menschlichen Körpers. In den Jahren um 1520 folgten weitere Ausmalungen von Deckenfresken und Kuppeln.

Anbetung der Hirten, 1527 – 30, 256 cm x 188 cm
Die ‘Anbetung der Hirten’ zählt zu den epochalen luministischen Leistungen corregios. Das Bild erhält seine effektvolle Beleuchtung einmal durch das schwache, natürliche Licht, zum anderen von jeder starken übernatürlichen Helligkeit, die vom Christkind ausgeht.
Nach Beendigung der Arbeiten an der Domkuppel von Parma, dei bei seinen Auftraggebern nicht die gewünschte Resonanz gefunden hatten, übersiedelte Correggio in seine Heimatstadt, wo er bis zum Tod blieb. Die kommende Schaffensphase brachte Gemälde wie ‘Die Liebschaften Jubiters’, ‘Danae’, ‘Leda’, ‘Jo und Ganymed’ hervor.

Die beiden um 1532/33 entstandenen Termperagemälde Allegorie des Lasters und Allegorie der Tugend weisen im Vergleich zu früheren Gemälden eine grelle Frabgebung auf. Hier werden manieristische Elemente deutlich, besonders bei der schmerzvollen Zentralfigur der Allegorie des Lasters, die auf die antike Skulputur des Laokoon zurückgeht.

Corregio, aus dessen Werk sich keine Schule bildete, beeinflußte eine Reihe Maler wie Parmigianino, Carracci und Anton Rhapael Mengs. 
René Magritte, 1898 – 1967
Der belgische Maler René François Ghislain Magritte studierte an der Académie Royale des Beaux-Arts in Brüssel. Nach Berufen wie Designer oder Zeichner in einer Tapetenfabrik, Plakatentwerfer uvm. ermöglichte es ihm die Galerie Le Centaure 1926 sich ganz der Kunst zu widmen.

1927 hatte er seine erste Einzelausstellung mit vorwiegend abstrakten Bildern, obwohl zu dieser Zeit bereits Arbeiten in der Nähe des Surrealismus entstanden. Zwischen 1927 und 1930 lernte Magritte in Paris die Surrealisten um André Breton, Paul Éluard kennen. Von den Bildern Giorgio De Chiricos war er besonders beeindruckt.

Magrittes bekannteste Werke sind realistisch umgesetzt aber von surrealem Inhalt. Er fordert den Betrachter zum Nachdenken und ‘Zweimalhinschauen’ auf. Was will uns der Künstler damit sagen: ‘Das ist keine Pfeife’. Meint er mit dem Satz den bemalten Grund? Steht der Schriftzug in Zusammenhang mit dem Bildobjekt? Oder sind beide Inhalte separat zu sehen? Oder ist es keine Pfeife weil es nur ein Gemälde einer Pfeife ist?

In Magrittes Bildern wird die Schwerkraft aufgehoben oder umgekehrt. Da wird Himmel zu Vogel, nächtliches Licht zur Beleuchtung und der Maler zum Schaffer von Leben. Er setzt sich mit dem Wesen der Wirklichkeit auseinander. Magrittes Werke haben einen sachlich beschreibenden Stil, der auf jegliche Details verzichtet. Die vordergründige Erscheinung verbirgt das Geheimnis der Wirklichkeit und der Künstler versucht dieses Rätsel in seinen Werken zu lösen. Das Spiel mit realen Gegenständen, die in der falschen Zuordnung stehen und dadurch eine andere Perspektive und Sichtweise des Inhaltes ergeben, erzeugen eine traumhafte Atmosphäre.

Ein oft wiederkehrendes Motiv, ein mit Tuch verhüllter Kopf, geht auf den Selbstmord seiner Mutter in Kindestagen, 14 Jahre, zurück. Er sah den Leichnam seiner Mutter, der Kopf war vom Nachthemd verhüllt.

1930 kehrte der Künstler nach Brüssel zurück und wurde zum Mittelpunkt eines kulturinteressierten Freundeskreises. Seit den sechziger Jahren beeinflusste Magrittes Malerei Strömungen wie die Pop-Art und die Konzeptkunst. Darüber hinaus schuf Magritte Collagen, Photographien und Wandgemälde. Von 1929 bis 1966 war er als Redakteur mehrerer Zeitschriften und Zeitungen tätig, er drehte mehrere Kurzfilme.

Im Jahr 1959 war René Magritte Teilnehmer der documenta II in Kassel. 1967 wurde ihm vorgeschlagen, mehrere seiner Gemälde als Skulpturen ausführen zu lassen. Er zeichnete die Entwürfe, machte die Gussformen und signierte die Modelle.

Unerwartet starb René Magritte kurz darauf am 15. August 1967 in seiner Wohnung in Brüssel an Krebs. Sein letztes Bild blieb unvollendet bis zum Tod seiner Frau 1986 auf der Staffelei stehen. Er führte Zeit seines Lebens eine sehr bürgerliche Existenz und verließ kaum seinen Heimatort.
Bob Ross, 1942 – 1995
Über Kunst kann man ja bekanntlich streiten. Ob Werke von Bob Ross Kunst sind muss jeder für sich entscheiden. Wie übrigens bei allen Kunstwerken. 416 Folgen seiner Fernsehsendung wurden produziert, er errreichte damit Weltbekanntheit und seine Technik wird bis heute vermarktet.

Ich habe die meisten Bob Ross-Folgen im Fernsehen mehrmals gesehen. Hab sie phasenweise sogar aufgezeichnet. Bob Ross ist für mich der Inbegriff von Freude an der Malerei. Bis heute bleibe ich fasziniert vor dem Fernseher sitzen, wenn ich beim zappen auf Bob Ross treffe.
Da stellt sich ein Mann hin und erzählt:
- Denken Sie an die Tiere im Wald, sie brauchen einen Platz zum Leben.
- Wir machen keine Fehler, es gibt nur lustige Unfälle.
- Malen ist ganz einfach, jeder kann es.
Mit ruhiger, gelassener Stimme vermittelt mir Bob Ross, dass ich gar nichts falsch machen kann. Dass ich mir meine Welt malen kann wie ich es möchte. Er vermittelt Grundbegriffe wie Licht und Schatten, fett auf mager, hell auf dunkel. Erklärt einen mehrstufigen Bildaufbau anhand von Gebirge, Nebel, Baumgrenze, Wasser und Gebüsch im Vordergrund. Er vermittelt basische Maltechniken mit leichter Hand. Er kratzt, tupft, streicht mit großem Werkzeug und produziert mit Schwung einen Wasserfall. Und der Kommentar dazu:
- Let’s make noises – lass uns Geräusche machen und wusch schon fließt das Wasser.

Gut – alle seine Bilder sehen irgendwie gleich aus. Aber dieser Mann liebte die Berge, er liebte die Natur mit Flora und Fauna. Er gibt jedem Baum einen Freund und meint dazu ‘Everybody needs a friend’. Und dann malt er zum ersten abgestorbenen Baumstamm einen zweiten. Übrigens bei allen bekannten Künstlern sehen die Bilder irgendwie gleich aus. Egal ob man einen Botero oder einen Van Gogh anschaut. Und es ist doch mal schön, dass ein Künstler nicht in Depressionen versinkt, sich ein Ohr abschneidet oder dem Suff verfällt.

Ich selbst habe mit Landschaften nichts am Hut. Hab in meinem Leben nur eine gemalt und die ist schlecht. Es hat mir auch keine Freude gemacht. Hier kann man sie anschauen. Insofern würde ich mir keinen Bob Ross aufhängen. Aber ich liebe seine kräftigen Farben, die Freude, die er vermittelt und seine gelassene Stimme.

Leider ist Bob Ross schon seit 1995 tot. Ich hoffe, dass seine Botschaft noch lange erhalten bleibt. Für mich ist er auf jeden Fall ein großer Künstler. Und gerne zitiere ich die letzten Worte seiner Sendungen.
„I wish you happy painting and god bless my friends“
Max Beckmann, 1884 – 1950
Der deutsche Maler Max Beckmann setzte einen figurstarken Stil der immer stärker werdenen Gegenstandslosigkeit seiner Zeit entgegen. Er lehnte den Expressionismus rundweg ab und konzentrierte sein Schaffen auf Interieur, Portrait und Selbstportrait. Obwohl er kurze Zeit Mitglied der Berliner Secession war, behielt er ein Leben lang eine große Abneigung geben Künstlervereinigungen.

Zu Kriegszeiten diente er als freiwilliger Sanitätshelfer. Zeichnungen aus dieser Zeit zeigen den Krieg schonungslos und in voller Härte. Nach Kriegsende wuchsen Beckmanns politische Interessen, zugleich studierte er Geheimlehren wie die Theosophie, die seit der Jahrhundertwende viele Künstler beschäftigte. Er fasste die Physiognomien seiner Zeit scharf ins Auge, suchte hier aber keinen Realismus, sondern, was er transzendente Sachlichkeit nannte.

1924 lernte Beckmann in Wien die junge Mathilde Kaulbach, Tochter von Friedrich August von Kaulbach, kennen, trennte sich von seiner Jugendliebe und ersten Frau Minna Tube und machte fortan seine neue Frau unter ihrem Wiener Spitznamen Quappi zu einer der meistgemalten und -gezeichneten Frauen der Kunstgeschichte.

1928 erreichte sein Ruhm in Deutschland den Höhepunkt mit dem Reichsehrenpreis Deutscher Kunst und einer umfassenden Beckmann-Retrospektive in Mannheim. Seine Kunst zeigt nun grandiose Formvollendung; sie verrät zudem den mondänen Erotiker, der Beckmann immer gern sein wollte. Diese Rolle ist eine der vielen Masken, hinter der der ängstliche und sensible Künstler sich versteckte.

Beckmann baute seine ausgewogenen Bildkonstruktionen aus einem Gitter von schwarzen Linien auf, die er in Bleistift und Kohle direkt auf die Leinwand vorzeichnete. Um 1930 brachen diese schwarzen Striche als Umrisslinien aus den Figuren hervor. Beckmanns Gestalten gewannen damit zusätzliche Wucht und Kraft, der Stil der späten zwanziger Jahre weitete sich aus.

Das Dritte Reich bracht für ihn die Wende. Er wurde aus einer Professur entlassen, der Beckmann-Saal im Kronprinzenpalais wurde aufgelöst. Max Beckmann war für die Nazis einer der meistverhassten Künstler; sie schmähten ihn in vielen Propaganda-Ausstellungen, die in ganz Deutschland begannen. Der Künstler verließ Frankfurt und lebte bis zu seiner Emigration in Berlin. Werke Beckmanns wurden in der 1937 in den Münchner Hofarkaden stattfindenden Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt.

Im selbstgewählten Exil Amsterdam malte er Selbstportraits wie Der Befreite, auf dem er Ketten sprengt. Erst im Sommer 1947 erhielten Max und Quappi Beckmann Visa für die USA. Dort unterrichtete er an mehreren Schulen und arbeitete an weiteren Triptychen.
1950 starb Max Beckmann an einem Gehirnschlag mitten auf der Straße in Manhatten.
Marc Chagall, 1887 – 1985
Marc Chagall war ein französischer Maler weißrussischer und orthodox-jüdischer Herkunft mit bürgerlichem Namen Moishe Zakharovich Shagalov. Ein russischer Lehrer lenkte Chagalls Aufmerksamkeit sehr früh auf die neue, abstrakte Malerei.


Chagalls Leben war geprägt von vielen Auslandsaufenthalten:Frankreich, Spanien, Deutschland, Niederlande, Amerika, Schweiz, Italien, Japan. Seine französischen Künstlerkollegen waren Jawlensky, Kandinsky, Lipchitz, Delauny und Léger. Dort fand er auch den Zugang zum Expressionismus.

Während dem ersten Weltkrieg und der russische Revolution lebte Chagall in Russland, gründete und leitete eine Kunstschule, organisierte Ausstellungen und Festlichkeiten und sorgte für Neu- und Wiedereröffnungen von Museen. Es folgten Jahre als Zeichenlehrer und wieder ein Umzug. Erst Berlin dann Paris. Radierungen zu verschiedenen Buchausgaben sorgten für ein sorgloses Leben der Familie.

Der zweite Weltkrieg zwang Chagall zur Auswanderung in die USA. Er nahm wieder das Kriegsthema in seinen Bildern auf und litt mit dem Kriegsgeschehen in Europa. Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Chagall mehrere Ausstellungen in Amsterdam, London, Paris, Venedig und Zürich.

Mit seiner zweiten Ehefrau bereiste er Griechenland. Ausstellungen auf der documenta I, II und III, in Basel und Bern folgten. In Israel eröffnete er 1957 das Chagall-Haus in Haifa. Bibel-Illustrationen folgten, das Baptisterium der Kirche von Pölateau-d’Assy in Savoyen und das Ballet „Daphins und Chloe“ von Ravel wurde von ihm ausgestattet. Chagall hielt in Chicago und Brüssel Vorträge. Die Glasfenster der Kathedrale von Metz wurden von ihm entworfen.

Mit Oskar Kokoschka erwarb er den Erasmus-Preis in Kopenhagen. Die Arbeit an Glasfenstern, in Opern und öffentlichen Gebäuden verschiedenster Länder begleitete ihn über viele Jahre. 1975 begleitete Chagall eine zweijährige Wanderausstellung durch 5 japanische Städte. Ausstellungen in Forenz, Hannover, Paris, Zürich uva zeigten seine Werke.

Chagall starb am 28. März im Alter von 97 Jahren.
Wassily Kandinsky, 1866 – 1944
Der Russe Wassily Kandinsky zog 1896 nach München. 1909 gründete er mit den bekannten Malern Gabriele Münter, Alexej von Jawlensky, Adolf Erbslöh, Marianne von Werefkin, Alexander Kanoldt, Wladimir von Bechtejeff, Karl Hofer und Alfred Kubin die ‘Neue Künstlervereinigung München’. Deren Ziel: „Kunstausstellungen in Deutschland, wie im Ausland zu veranstalten“. In diese Zeit fällt auch seine Entwicklung hin zur abstrakten Malerei. Als bei der dritten Ausstellung der „Neuen Künstlervereinigung“ die Jury Kandinskys fast vollständig abstrakte „Komposition V“ ablehnte, traten er, Franz Marc, Gabriele Münter und Alfred Kubin aus der Künstlervereinigung aus.

1911 eröffneten Kandinsky und Franz Marc die erste Ausstellung der neu gegründeten Künstlervereinigung „Blauer Reiter“ in der Galerie Thannhauser in München. Begleitend zur Ausstellung brachten beide 1912 den gleichnamigen Almanach „Blauer Reiter“ heraus. 1912 erschien Kandinskys einflussreiche kunsttheoretische Schrift über das Geistige in der Kunst. Die hier zusammengetragenen Gedanken waren für die weitere Entwicklung der abstrakten Malerei von grundlegender Bedeutung.

Nach dem ersten Weltkrieg, 1914, reiste Kandinsky ‘gezwungenermaßen’ in die Schweiz. Von dort aus nach Russland, wo er als Professor in staatlichen Kunstwerkstätten arbeitete. Die Einschränkungen der Künstlerfreiheiten veranlassten ihn danach nach Weimar zu gehen und dort als Lehrer tätig zu sein, bis 1933. Seine Bilder musst er zurück lassen. Er war Synästhet, das bedeutet er empfand Farbe nicht nur als optische sondern auch als akustischen Reiz. Entsprechend ordnete er Ihnen Klänge zu und ‘komponierte’ seine Bilder.

1924 gründete er mit Lyonel Feininger, Paul Klee und Alexej von Jawlensky die Künstlergruppe „Blaue Vier“. 1926 erschien seine theoretische Schrift: „Punkt und Linie zu Fläche“. 1928 erwarb er die deutsche Staatsbürgerschaft.

Mit der Schließung des Bauhaus 1933 verließ Kandinsky Deutschland und ging nach Frankreich. 1939 nahm er die französische Staatsbürgerschaft an und beendete seine letzte große Arbeit „Komposition X“.

1937 wurden 57 seiner Werke in deutschen Museen beschlagnahmt und einige dann von den Nationalsozialisten in der Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt. 1944 fand seine letzte Ausstellung, die er miterlebte, in der Pariser Galerie l’Esquisse statt.
1944 starb Kandinsky in seinem Wohnort Neuilly-sur-Seine bei Paris.
Mark Rothko, 1903 – 1970
Mark Rothko, früher Marcus Rhothkowitz ein jüdischer Russe, ist ein weiterer bekannter Vertreter des abstrakten Expressionismus bzw. der Farbfeldmalerei. Da abstrakter Expressionismus bzw. moderne Kunst unter Hitler als ‘entartet’ galt immigrieten viele europäische Künstler in die USA. Die Hauptzeit dieser Kunstrichtung liegt ca. 1940/1950.
Besonders bekannt wurde Rothko durch die extrem großformatigen Ölgemälde. Rothko hatte klare Vorstellungen bezüglich Hängung, Beleuchtung und Betrachtung seiner Kunstwerke. Düstere Räume und ein ca. 45 cm großer Sichtabstand sollten eine intensive Betrachter-Bild-Beziehung entstehen lassen. Ihm ging es nur um die Wirkung der Farbe.
Rothko interpretierte seine Werke fast nie und lehnte interpretorische Hinweise ab. Ein bekanntes Werk ist die Rothko Kapelle in Texas.
Er nahm sich 1970 in seinem Atelier das Leben.
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