Kurzarbeit
Wer glaubt Kurzarbeit sei angenehm, den muss ich eines Besseren belehren.
Es geht damit los, dass ich um 7:15 aufstehen muss. Derzeit läuft nämlich eine Dokumentation zum Thema 60 Jahre BRD. Die kommt von 7:20 bis 8:20 und ich schau sie mir jeden morgen an. Natürlich auch heute. Also, muss ich aufstehen.
Es wäre aber Zeitverschwendung, wenn ich einfach so vor dem Fernseher sitzen würde. Also muss ich vorher noch Frühstück machen und Grundierung aufwärmen. Während der Sendung kriech ich am Boden rum und streiche Kreidegrund auf monstergroße Leinwände. Noch vor 08:00 bin ich völlig verkleckst, wie schrecklich.
Begleitet wird das Ganze durch die extrem strapaziöse Geräuschkulisse des Geschirrspülers. Der wäscht normalerweise allein, wenn ich bei der Arbeit bin. Heute komme ich in den vollen Genuss von Waschen, Spülen und Trocknen.
Nicht genug damit: Meine Wohnung ist auch noch sonnendurchflutet. Was soll denn das? Jetzt kann ich die Schattierungen der Kleckse am Boden erkennen und die Pinselstriche auf den Leinwänden und die Blütenpollen auf den Fenstern und die Brösel am Boden. Das macht mich völlig fertig.
Ich geh zum Sport!
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