Archiv für August 2008|Monatliche Archivseite

Gummizelle – Ende

Ich brauch Platz zum arbeiten. Einen Platz, in dem im mich wohl fühle. Einen, der nicht raschelt und müffelt. Einen, den man lüften kann. Also kommt die Gummizelle weg. Ich hatte ja einige Wochen meinen Spaß. Runter ist wie immer schneller als rauf. Ein paar gezielte Handgriffe und die mühsam befestigte Konstruktion ist nur noch ein Haufen Folie.

So nebenbei kann ich auch gleich Ordnung in mein Malzubehör bringen. Der Schrank wir neu geordnet. Die halbfertigen Gemälde der verschiedensten Entwicklungsstufen werden aufgehängt, das Arbeitszimmer wird wieder ein kuscheliger schöner Raum der Kreativität.

Auf diesen Bildern sieht man das jetzt noch nicht. Das sieht noch eher chaotisch aus. Aber, ganz bestimmt, es ist schön geworden. Will aber erst noch fotografiert werden.

Also – ähm – äh – wie war das?

Gestern hab ich den Hasenleim angesetzt. 35 g auf 500 ml kaltes Wasser. Jetzt ist der Leim gequollen und arbeitsfertig. Ich brauch ihn nur noch im Wasserbad erwärmen, damit er flüssig ist. Wie hab ich das denn immer gemacht? Die Glasschale passt doch gar nicht in den Topf! Oder doch, halt ja, wenn ich da loslasse und dann vielleicht das da rüber oder nein doch nicht aber wenn ich das da dann … dann rutscht mir die Schale aus der Hand und schwappt in den Topf und das Wasser im Topf schwappt in die Schale und ich krieg einen Schreck. Also gut, raus mit der Schale, wenn ich nicht hundert Jahre warte macht das dem Leim nichts. Schnell, schnell, raus damit. Überflüssiges Wasser abschütten. Durchatmen. Wie war das gleich nochmal?

Mir fällt nichts ein also raus mit einem größeren Topf und noch mal von vorn. Das Wasser auf Temperatur bringen, aber nicht zu heiß! Und dann rein die Schale mit dem Leim. Und siehe da – es funktioniert. Jetzt warten bis der Leim flüssig ist. Wie hab ich das eigentlich immer gemacht – ohne die Küche unter Wasser zu setzen oder den Leim zu versauen?

In der Zwischenzeit bespanne ich 3 Keilrahmen mit Leinen. Wieso sind die überhaupt da? Will sagen, wo kommen die denn her? Ach ich erinnere mich – häßliche Bilder – runter von der Leinwand, genau. Neu bespannen. Richtig! Und wie ging das mit der Ecke bei der Bespannung? Reingreifen, runterziehen, spannen, tackern. Klappt schon beim 2. Versuch. Nach der dritten Leinwand schon wieder ein Schreck! Der Leim!

Falscher Alarm – noch nicht mal halbwegs flüssig. Keine Panik – was ist denn los mit mir. Das ist doch sonst Routine. Na dann, räum ich den Arbeitsplatz mal sauber, richte die Leinwände her und natürlich die 3 Holzkästchen. Wegen denen mach ich ja den ganzen Aufstand. 3 x Öl auf Holz sind bestellt. Und die sollen gleich von Anfang an dabei sein. Was macht der Leim?

Wird schon. Hat das schon immer so lange gedauert? Oder mach ich nur was falsch? Ach ja, da fällts mir ein, ich hatte da immer diese Metallschale, die genau auf den Topf passt und darunter konnte ich Wasserdampf machen. Ja, genau. Und die Metallschale hab ich bei einer der abstrakt expressionistischen Anfälle versaut. Darum auch wieder die Glasschale. Ich wusste doch ich wollte was kaufen. Na gut – aber jetzt kauf ich nix. Jetzt warte ich geduldig.

Und endlich – Leim fertig. Pinsel raus (wenigstens der ist noch der alte) und drauf auf die Leinwände. Danach wird Kreidegrund angemischt und 3 andere Leinwände werden gleich mitgrundiert und natürlich auch die 3 Kästchen. Innerhalb von Minuten sind meine Finger weiß vom Kreidegrund, klebrig vom Leim und ich bin verschwitzt – es ist Sommer.

Ist ja klar, dass ich lieber im Winter arbeite. Und es ist auch klar, dass ich kaum Heizung brauch, bin beim Malen ja immer in Bewegung. Und schließlich die logischste Erkenntnis:

Es kann gar nicht klappen – es ist ja noch nicht dunkel.

Bild, Kunst und Schuhe bei Milano Schuhe in Landsberg

Mehr Informationen zu diesem Bild finden Sie hier.

Abgründe

Was braucht ein Künstler für seine Schaffenskraft? Alkohol? Drogen? Inspiration? Eine Muse?

Ich brauche auf jeden Fall die Dunkelheit. So langsam geht es wieder los. Schon gegen 21:00 Uhr wird es draußen dunkel. Die Dunkelheit macht die Straße still, mein Herz auch. Die Tür zur Kreativität geht auf. Was tagsüber gesammelt wurde, darf nun raus. Egal ob es Eindrücke aus dem beruflichen Alltag sind, oder ein kurzer Blick auf ‘irgendwas’. Vieles wird in meinem Kopf als Bild gespeichert. Und ich wünsche mir Zeit genug um all die Bilder zu malen. Ich fotografiere nicht umsonst ständig wild um mich.

Schwieriger ist es mit der Dunkelheit in mir. Sie gehört zum Leben jedes Menschen. Genauso wie die Sonne trägt auch jeder die Dunkelheit im Herzen. Das ist an sich nichts Schlechtes. Es ist ein weit verbreitetes Vorurteil, dass die Abgründe des Herzens negativ sein müssen. Müssen sie nicht. Meist sind sie ein produktiver Prozess um Dinge zu verarbeiten, die unvermeidbar sind. Diese Dinge sind meist positiver, als man es in der Sitation erkennen möchte. Oft sind sie ein logischer und sinnvoller Prozeß auf dem Weg zum Licht.

Allerdings ist es viel schwieriger diese Abgründe für eine kreativen Prozeß nutzbar zu machen. Schließlich hat die Dunkelheit im Herzen ihre Gründe. Trauer, Einsamkeit, Verlust, Ängste – Gefühle, die keiner gerne empfindet. Gefühle, die voller Energie und Kraft sind und darum sollte man sie unbedingt kreativ umsetzen.

Also nicht so wie heute, wo ich diese Energien mit einem oder zwei Glas Rotwein ertränke, mit Musik verstärke, mich suhle in der Erschöpfung nach einer anstrengenden Woche. Morgen, morgen werde ich beginnen. Beginnen, das zu tun, wozu es mich schon seit Tagen drängt. Ich werde malen, oder grundieren oder vorzeichen.

Ich lass sie raus, die Energien – natürlich erst wenn es DUNKEL ist.

Max Beckmann, 1884 – 1950

Der deutsche Maler Max Beckmann setzte einen figurstarken Stil der immer stärker werdenen Gegenstandslosigkeit seiner Zeit entgegen. Er lehnte den Expressionismus rundweg ab und konzentrierte sein Schaffen auf Interieur, Portrait und Selbstportrait. Obwohl er kurze Zeit Mitglied der Berliner Secession war, behielt er ein Leben lang eine große Abneigung geben Künstlervereinigungen.

Zu Kriegszeiten diente er als freiwilliger Sanitätshelfer. Zeichnungen aus dieser Zeit zeigen den Krieg schonungslos und in voller Härte. Nach Kriegsende wuchsen Beckmanns politische Interessen, zugleich studierte er Geheimlehren wie die Theosophie, die seit der Jahrhundertwende viele Künstler beschäftigte. Er fasste die Physiognomien seiner Zeit scharf ins Auge, suchte hier aber keinen Realismus, sondern, was er transzendente Sachlichkeit nannte.

1924 lernte Beckmann in Wien die junge Mathilde Kaulbach, Tochter von Friedrich August von Kaulbach, kennen, trennte sich von seiner Jugendliebe und ersten Frau Minna Tube und machte fortan seine neue Frau unter ihrem Wiener Spitznamen Quappi zu einer der meistgemalten und -gezeichneten Frauen der Kunstgeschichte.

1928 erreichte sein Ruhm in Deutschland den Höhepunkt mit dem Reichsehrenpreis Deutscher Kunst und einer umfassenden Beckmann-Retrospektive in Mannheim. Seine Kunst zeigt nun grandiose Formvollendung; sie verrät zudem den mondänen Erotiker, der Beckmann immer gern sein wollte. Diese Rolle ist eine der vielen Masken, hinter der der ängstliche und sensible Künstler sich versteckte.

Beckmann baute seine ausgewogenen Bildkonstruktionen aus einem Gitter von schwarzen Linien auf, die er in Bleistift und Kohle direkt auf die Leinwand vorzeichnete. Um 1930 brachen diese schwarzen Striche als Umrisslinien aus den Figuren hervor. Beckmanns Gestalten gewannen damit zusätzliche Wucht und Kraft, der Stil der späten zwanziger Jahre weitete sich aus.

Das Dritte Reich bracht für ihn die Wende. Er wurde aus einer Professur entlassen, der Beckmann-Saal im Kronprinzenpalais wurde aufgelöst. Max Beckmann war für die Nazis einer der meistverhassten Künstler; sie schmähten ihn in vielen Propaganda-Ausstellungen, die in ganz Deutschland begannen. Der Künstler verließ Frankfurt und lebte bis zu seiner Emigration in Berlin. Werke Beckmanns wurden in der 1937 in den Münchner Hofarkaden stattfindenden Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt.

Im selbstgewählten Exil Amsterdam malte er Selbstportraits wie Der Befreite, auf dem er Ketten sprengt. Erst im Sommer 1947 erhielten Max und Quappi Beckmann Visa für die USA. Dort unterrichtete er an mehreren Schulen und arbeitete an weiteren Triptychen.

1950 starb Max Beckmann an einem Gehirnschlag mitten auf der Straße in Manhatten.

Öl auf Holz – Bild an der Wand in Öl von Astrid Keller

Holz 25, 26 und 27, ganz in grün – blau – lila. Das dreidimensionale Holzbild für die Wand. Gut ich hatte schon bessere Einfälle – dreidimensionales Holzbild, naja. Die korrekte Bezeichnung lautet: Öl auf Holz. Diese hier sind 10 x 10 x 3 cm groß und kosten 18,- EUR/Stück. Kann man kaufen, freut den Künstler.

Holz 10, 11 und 12. Auch sehr apart. Ganz in der gewagten Farbkomposition pink – brombeer – orange. Ist gleich groß, kostet gleich viel und freut den Künstler gleichermaßen.

Holz 19, 20 und 21. Größer 15 x 15 x 3 cm. Auch farbenfroh in dunkelblau – rot – gelb. Da größer und bunter natürlich auch teurer. Schlappe 28,- EUR das Stück. Die Freude des Künstlers über den Verkauf ist natürlich auch größer.

Kunstnacht in Landsberg 2008 mit Ölbildern von Astrid Keller

Am 27. September findet in Landsberg wieder die Kunstnacht statt. Der örtliche Einzelhandel öffnet seine Pforten für Künstler der verschiedensten Richtungen. Da wird gesungen, zitiert, vorgelesen. Da werden Bilder und Skulpturen gezeigt. Jeder Besucher kann sich das ‘normale’ Sortiment aller Geschäfte ansehen und nebenbei Kunst genießen. Die Straßen sind immer voller Leben, die Stimmung ist ganz besonders heiter und auch nach den offiziellen Öffnungszeiten wird meist noch weitergefeiert.

Ach ja und ich bin auch dabei. Beim Leder Mack im Vorderen Anger 231 und beim Schuhgeschäft Milano, nur wenige Häuser weiter, werden Ölgemälde von mir gezeigt. Zwischen Koffern und Taschen, zwischen Pumps und Stiefeln gibt es Akt und Farbkompositionen von mir. Hier noch einmal die genauen Zeiten

27. September 2008

19:00 – 23:00 Uhr

Mich werden Sie vor allem beim Leder Mack finden, aber vielleicht schau ich auch mal zum Milano, dort soll es Geschichten geben: ‘Geschichten die das Leben trieb’. Klingt lustig und wird es bestimmt auch. Ich freu mich drauf.

Gummizelle

Klecksen, spritzen, tropen, mit Farbe werfen – alles klasse, wenn man den passenden Platz dazu hat.

Um den Traum vom hemmungslosen Austoben verwirklichen zu können, verkleidete ich mein Arbeitszimmer mit Folie.

Alle Bilder der verschiedensten Entwicklungsstufen mussten den Platz räumen. Leider bleiben von jeder Malphase immer ein paar Überbleibsel. Die werden dann bei der nächsten ‘Malattacke’ fertig gestellt. Und sie mussten raus. Sie wurden in Sicherheit gebracht, bevor ein vermeintlicher ‘Malgegenstand’ wie ein Stock, eine Flasche oder ein Schneebesen durch die Luft flogen.

Folie breitete sich auf Wand, Decke, Boden und vor dem Fenster aus. Die Lampe wurde zugehängt, die Stehleuchte musste reichen.

Nach zwei Stunden räumen war der Raum leer und die Wände verschwunden. Es roch nach Bauplane und sah aus wie eine Gummizelle. Und das war nicht nur mein Eindruck, sondern auch der meiner Gäste.

Die Folie raschelte unter den Füssen, der Raum war stickig und heizte extrem schnell auf. Gelüftet wurde nur wenig und der Saustall vergrößerte sich rasch.

Trotzdem machte es Spaß, mir und meinen Mitstreitern, die mit Nikotin und Alkohol für eine noch schlechtere Luft, mit Ihren Ideen für noch mehr Kleckse und mit ihrem Lachen für noch mehr Freude gesorgt heben.

Was tut man nicht alles um es einmal richtig krachen zu lassen.

Schaben oder Kratzen

Ein Plastikkratzer, eigentlich zum Umrühren von Farbe gedacht war das Werkzeug. Dicker Farbauftrag, flächige Verarbeitung, das macht Freude. Beim Expressionismus ist Gott sei Dank alles erlaubt. Bevor ich den Malgrund zuschmiere wird dieser auf einer Platte festgeklebt, damit er nicht verrutscht und sich nicht zu sehr wellt und dann gehts los.

Leuchtendes Rot und Gelb machen Stimmung. Der von einer Freundin bestellte ‘Himbeerton’ sorgt für Kontrast. Nicht zu viel und doch vorhanden. Der Einsatz von Gelb bringt Orange hervor, die dicke Farbe breitet sich auf der Leinwand, auf meinen Fingern, auf dem Werkzeug, auf der Holzplatte und schließlich auch auf meinen Klamotten, in meinem Gesicht und schließlich auch in meinen Haaren aus.

Wie soll es auch anders gehen. Im Schaffensprozess muss ich mir einfach die Haare raufen, oder wenigstens aus dem Gesicht streichen, außerdem juckt die Nase, die Arbeit an der Skizze vordert vollen Körpereinsatz und wenn schon Expressionismus dann exzessiv.

Das Ergebnis ist ein Sonnenuntergang, oder ein Wirbelsturm oder einfach nur Leidenschaft.

Marc Chagall, 1887 – 1985

Marc Chagall war ein französischer Maler weißrussischer und orthodox-jüdischer Herkunft mit bürgerlichem Namen Moishe Zakharovich Shagalov. Ein russischer Lehrer lenkte Chagalls Aufmerksamkeit sehr früh auf die neue, abstrakte Malerei.

Chagalls Leben war geprägt von vielen Auslandsaufenthalten:Frankreich, Spanien, Deutschland, Niederlande, Amerika, Schweiz, Italien, Japan. Seine französischen Künstlerkollegen waren Jawlensky, Kandinsky, Lipchitz, Delauny und Léger. Dort fand er auch den Zugang zum Expressionismus.

Während dem ersten Weltkrieg und der russische Revolution lebte Chagall in Russland, gründete und leitete eine Kunstschule, organisierte Ausstellungen und Festlichkeiten und sorgte für Neu- und Wiedereröffnungen von Museen. Es folgten Jahre als Zeichenlehrer und wieder ein Umzug. Erst Berlin dann Paris. Radierungen zu verschiedenen Buchausgaben sorgten für ein sorgloses Leben der Familie.

Der zweite Weltkrieg zwang Chagall zur Auswanderung in die USA. Er nahm wieder das Kriegsthema in seinen Bildern auf und litt mit dem Kriegsgeschehen in Europa. Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Chagall mehrere Ausstellungen in Amsterdam, London, Paris, Venedig und Zürich.

Mit seiner zweiten Ehefrau bereiste er Griechenland. Ausstellungen auf der documenta I, II und III, in Basel und Bern folgten. In Israel eröffnete er 1957 das Chagall-Haus in Haifa. Bibel-Illustrationen folgten, das Baptisterium der Kirche von Pölateau-d’Assy in Savoyen und das Ballet „Daphins und Chloe“ von Ravel wurde von ihm ausgestattet. Chagall hielt in Chicago und Brüssel Vorträge. Die Glasfenster der Kathedrale von Metz wurden von ihm entworfen.

Mit Oskar Kokoschka erwarb er den Erasmus-Preis in Kopenhagen. Die Arbeit an Glasfenstern, in Opern und öffentlichen Gebäuden verschiedenster Länder begleitete ihn über viele Jahre. 1975 begleitete Chagall eine zweijährige Wanderausstellung durch 5 japanische Städte. Ausstellungen in Forenz, Hannover, Paris, Zürich uva zeigten seine Werke.

Chagall starb am 28. März im Alter von 97 Jahren.

Von der Rolle

Malen kann man ja bekanntlich mit allem was da ist. Nach dem Seminar ‘Abstrakter Expressionismus’ hab ich mich mit einer Rolle versucht, eine kleine handliche 5 cm breite Gummirolle. Nix Pinsel. Also Farbe auf Rolle drauf, Sekunden später – Farbe auf Boden. So geht’s also nicht. Farbe auf Malpapier drauf, mit Rolle einarbeiten – das geht. Ein schweißtreibender Job. Geht richtig in den Oberarm. Mehr oder minder gleichmäßig trage ich rot auf. Verschiedene Schattierungen zeigen sich – sieht ganz nett aus. Trocknen lassen.

Und gleich noch eine Schicht. Das Rot wird leicht variiert und wieder mit der Rolle eingearbeitet. Die Oberfläche schließt sich langsam. Trocknen, Arm ausschütteln. Was press ich die Farbe auch so vehement ins Papier?

Nächste Schicht BLAU. Jetzt geht’s los. Was bis dahin als Struktur sichtbar war wird eine einheitliche Fläche ohne Struktur einfach nur platt. Platt und violett. Das gefällt mir gar nicht. Und dann plötzlich rutsch ich mit der Rolle ab und die macht einen Schlenker auf dem Papier und ein neckischer Schwung ist sichtbar und gräbt etwas von dem Rot hervor. SUPER Danke Zufall. In dieser spektakulären ‘Technik’ mach ich weiter. Trotzdem bleibt zu viel Blau drauf.

Dankbarerweise arbeite ich in Gouache. Also Wasser her, die Farbe wird sich auflösen. Das ist ein Gepritschel! Aber ich kann Farbe abwaschen, vorsichtig, in kreisenden Bewegungen und das Ergebnis gefällt mir – irgendwie.

Übrigens am Ende war Farbe auch zwischen den Zehen, weil wie oben erwähnt ‘Farbe auf Boden’.

Grit, Ölgemälde abstrakt von Astrid Keller

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Tropfen

Schwarze Tropfen, graue Tropfen, weiße Tropfen sogar Perlmutt Tropfen – sie alle finden sich auf Skizzenpapier wieder. Ist das Kunst? Auf jeden Fall ist es abstrakt expressionistisch.

Es kostet mich richtig Überwindung. Farbe mischen, die Konsistenz prüfen. Die Tropfen sollen flüssig genug sein um nicht nur auf das Blatt zu tropfen, sie sollen auch noch weitere Spritzer verursachen. Nicht planbar und doch als Komposition zu erkennen.

Nach wenigen Versuchen klappts. Ich halte einen dicken Aquarellpinsel in 1.5 m Abstand über das am Boden liegende Papier und TROPF. Ein dicker schwarzer Klecks macht sich auf dem Papier breit, umrandet von einem Hof verschieden großer Sprenkel. Gut, das war einfach, gleich noch einmal. Nur die ‘Abwurfstelle’ wird variiert. TROPF. Stimmt die Position? Ist das überhaupt wichtig? Mal eine tiefere Position versuchen? Das Skizzenpapier füllt sich mit Tropfen, mit Tränen? Schwarze Flecke breiten sich aus. Was hab ich gelernt – verdichten, eine Spannung aufbauen. Das ist leichter gesagt als getan, wo ist nun der Dozent, der mir einen Tipp gibt? Meine nackten Füße sind voller Farbe – fühlt sich gut an. Die Arbeitshose sieht aus wie – naja. Statt schwarz greife ich nun zu grau. Die Farbe wird dicker, das bemerke ich aber erst, als ich sehe, dass die beim Auftreffen auf dem Papier kaum Spritzer macht. Dann versuchen wir doch gleich noch ein helleres grau, diesmal flüssiger. Inzwischen fühle ich mich mit dieser ungewohnten Malerei wohler. Ich umkreise das am Boden liegende Blatt. Hier Tropfen, da Kleckse. Die Abdeckfolie raschelt unter meinen nackten Füßen, Farbe rinnt zwischen meine Zehen. Hat was!

‘Aus Versehen’ bildet sich eine Tropfenspur. Eine Spur alleine ist nicht gut – eine zweite muss her. Pinsel eintauchen in schwarz und grau, ausholen – Farbe verspritzen. Genau das wird Kindern verboten. Rumspritzen, klecksen. Dabei macht es wirklich Spaß – nicht denken, einfach nur tun. Farbbahnen bilden Striche, HALT keine Objekte, auch keine Striche. Also Gegenmaßnahmen einleiten. TROPF SPRITZ TROPF Die wässrige Farbe wellt das Papier. Die verschiedenen Farbtöne laufen ineinander, verändern sich ständig. Wieviele Spuren sind gut – zu wenig? Zu Viel?

Nach 1 Stunde hab ich genug gekleckst. Pinsel, Becher, Folie, Finger und Füße sind voller Farbtropfen. Ob mir das Ergebnis gefällt, kann ich so ad hoc nicht sagen.

Es ist zu weit entfernt von meiner sonst üblichen Kunst.

Welcome back, Babies

Endlich Zuhause. Sie sind wieder da, meine Bilder. Ich weiß erst mal gar nicht wohin damit. Eigentlich sollten doch mindestens die Hälfte verkauft werden. Naja oder wenigstens EINS. Aber nein, alle finden wieder den Weg nach Haus.

Und so stapeln sie sich im Wohnzimmer hoch und quer. Ich sollte die Bilder aufhängen, aber ich kann mich nicht dazu durchringen. Ich möchte gerne Galerieleisten an den Wänden, dass nicht jede Aktion neue Dübel oder Haken in der Wand erfordert, sondern praktische Schnüre, die flottes Umhängen ermöglichen. Aber die Leisten müssen erst gekauft werden. Und das kann ich erst, wenn ich Geld dazu hab und dazu sollte ich ein Bild verkaufen.

LEUTE KAUFT, KAUFT, KAUFT! Kauft ein einmalige Kunstwerk, ein Unikat, hochwertig, farbenfroh, voller Leben und Liebe! Wartet nicht bis ich tot bin, ich will schon vorher ein erfolgreicher Künstler sein. Und Ihr könnt Euch schon heute daran freuen!

Bilderverkauf ist ein schweres Geschäft. Aber ich will nicht klagen. Ich hab sie gerne um mich, meine Babies. Es steckt so viel Herzblut drin. Der Verkaufpreis ist eh sowas wie Schmerzensgeld, wenn ich mich davon trennen muss. Also kein Verkauf, kein Gejammer. Jetzt kann ich mir überlegen welches Bild in Blickrichtung hängen soll, welches in die Galerie im Gang kommt, welches Bild übers Bett. Ja, ja auch im Schlafzimmer gibt jede Menge Kunst.

Ich werde mich gedulden, bis mich mein Weg zum Lieblingsladen führt. Bis sich ‘Mann’ dazu durchringt die Aufhängung zu befestigen und mir bei der Anordnung hilft. Ich werde die Zeit nutzen und die Bilder, die ungefirnist in die Ausstellung gingen, zum Abschluss bringen. Und ich werde großzügig darüber hinwegsehen, dass ich UNORDNUNG NICHT LEIDEN KANN.

Elmar

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Leer

Das Bilder abhängen ging schnell. Viel schneller als aufhängen. Nach den ersten flotten Botengängen zwischen meiner Wohnung und der Galerie wurden meine Schritte langsamer. Die Schaukästen wurden leerer, die Stapel mit dem Rest des Dekomaterials größer. Mein Herz wurde immer schwerer.

Schön wars. Schön wars, hierher zu kommen und die eigenen Bilder zu sehen. Ich war stolz auf die geleistete Arbeit. Bin oft den Gang auf- und abgeschlendert. Hab die Entstehung Revue passsieren lassen. Hab das Ergebnis betrachtet und versucht es mit fremden Augen zu sehen. Schön wars, angesprochen zu werden, dass man meine Bilder gesehen habe. Das könne doch nur ich sein, diese farbenfrohen Gemälde. Schön war’s über die vielen Aufregungen zu berichten und so viele Neugierige und Mitstreiter auf dem Weg mitzunehmen.

Und nun trage ich bei 33 Grad Hitze meine Schätze nach Haus. Staple kleine und große Gemälde im Wohnzimmer. Zähle alle Nase lang wieviele Bilder schon bei mir und wieviele noch zu holen sind. Eine Traurigkeit schleicht sich ein, wenn ich die leeren Schaukästen betrachte.

Ein Experiment ist zu Ende. Es gab glückliche und unglückliche Momente. Dinge die funktioniert haben und solche die eher eine Katastrophe waren. Schon die ‘Produktion’ war ein Erlebnis. Einige Werke malte ich speziell für die Ausstellung und hängte sie dann nicht auf. Ein paar Malgründe gingen bei der Produktion kaputt. Ein fertiger Malgrund wurde zerstört. Bilderrahmen wurden falsch geliefert und strapazierten meinen Geldbeutel arg. Fehler beim Firnisen sorgten für Aufregung. Ölfarbe, Pinselreiniger und Kreidestaub verursachten Kopfschmerzen. Manche Farbkombinationen brachten mich echt ins Schwitzen.

In einigen Gemälden steckt die Liebe zu den Menschen, deren Farben ich gemalt habe. Die Freude über gelungene Bilder trug mich tagelang. Eine Euphorie, ein Malfieber wie noch nie packte mich. Zu den unmöglichsten Zeiten wurde grundiert, gemalt, eingerahmt oder organisiert. Bis nach Japan reichte die Berichterstattung hier im Blog. Die Homepage entstand zeitgleich, forderte Gehirnschmalz. Lange Abende beanspruchten meine Aufmerksamkeit. Wer noch einmal reinlesen will kann in der Rubik Bildentstehung stöbern. Ich möchte keine Minute missen.

In der Endphase brachten mich Flyer, Postkarten, Einladungen und Anzeigen aus der Ruhe. Hatte mich die Aufregung vor Vernissage und Finissage im Griff und nach den beiden Veranstaltungen war ich immer reichlich angeschickert. Ach ja und verkauft hab ich auch was und eine Bestellung liegt vor. In meiner Firma weiß jetzt so ziemlich jeder, dass ich male, dass es in meinem Leben mehr gibt als arbeiten gehen. Die Leidenschaft der Malerei hat mir ziemlich viel abgefordert. Die Organisation erforderte Disziplin und ganz viel Entdeckermut.

Tja, und nun ist meine erste Ausstellung vorbei. Eigentlich wollte ich im Urlaub eine Anschlussveranstaltung finden, aber dann nutzte ich die Zeit nur für mich. Das musste sein. Halt, eine kleine Ersatzveranstaltung gibts schon. Am 27. September ist die Kunstnacht in Landsberg. Da können Sie meine Bilder beim ‘Leder Mack’ und im Schuhgeschäft ‘Milano’ bewundern. Berichtet wird natürlich rechtzeitig.

‘Nach dem Spiel ist vor dem Spiel’.


Tütchen

Schon in den ersten Tagen der Ausstellung konnte ich einen Verkauf verzeichnen. 1 Postkarte hat den Besitzer gewechselt. Irre. 2,- EUR mehr in der Tasche. Ich war ja völlig sprachlos. Ein fremder Mensch hat eine Postkarte mit einem Bildmotiv meiner Gemälde gekauft. Überwältigend.

Diese Verkäufe wurden in einem Tütchen für mich aufbewahrt. Neckisch sieht das aus. Eine kleine Rascheltüte mit 2,- oder mehr EUR. Im Verlauf der Ausstellung wurden es 3 Tütchen. Ich hab sie noch immer und schau sie mir gerne an.

Bequem – Unbequem

Ein Künstlerleben ist bequem:

  • Ein Künstler kontrolliert sein Leben nicht. Er kommt und geht wie er will, versauert im Dreck oder scheucht eine Putzfrau durchs Atelier. Er verschlampt oder glänzt – ganz wie er will.
  • Der Künstler kann arbeiten wann er will. Es ist bekannt, dass viele Künstler nachtaktiv sind.
  • Der Künstler kann frei seine Meinung äußern, sollte sie zu unbequem sein, wird sie einfach als Kunst deklariert.
  • Ein Künstler kann sich kleiden wie er will, schließlich ist er ein Künstler. Avantgardismus wird eher erwartet als abgelehnt.
  • Ein Künstler kann rauchen, trinken, Drogen konsumieren – alles im Dienste der Kunst, irgendwoher muss er ja die geistige Freiheit nehmen. Exzessiver Alkoholkonsum gehört schon beinahe zum guten Ton.
  • Ein Künstler muss seine Finanzen nicht kontrollieren. Ist doch klar, dass das ein unsicheres Geschäft ist. Die mühsam verdienten Mäuse müssen auch schnellstens unters Volk gebracht werden, nach den langen Entbehrungen.
  • Ein Künstler hat eine Muse, eine Inspiration, manche haben sogar mehrere. Oft bleibt es aber bei ein und der selben. Kokoschka war so ein Kandidat in seiner Liebe zu Alma Mahler. Hier die ‘Windsbraut’

Ein Künstlerleben ist unbequem:

  • Für den Künstler, weil er gejagt wird von seinen Ideen, den Bildern in seinem Kopf, dem Wunsch sich auszudrücken.
  • Für den Künstler, weil seine Gier nach Leben, Liebe und Lust bestimmend ist. Sie läßt nichts anderes zu.
  • Für den Künstler, weil er nach großen Schaffensphasen in eine große Untätigkeit fällt, die sehr erschreckend sein kann.
  • Für die Umgebung, weil die freie Lebensweise gern mal neidisch macht: Zeit haben, nicht im fremdbestimmten Arbeitsrhytmus leben.
  • Für die Umgebung, weil auch eine Muse Bedürfnisse hat, ein Eigenleben führt, das sich nicht zwingend mit dem des Künstlers deckt.
  • Für die Umgebung, weil die Anregungen des Künstlers auffordern, zum Nachdenken, Umdenken, Mitdenken, zum Infrage stellen, zum Partei ergreifen – und wer will schon in Frage gestellt werden.

Hannah Höch – Schnitt mit dem Küchenmesser

Bei all dem muss man aber wissen, es geht das Eine nicht ohne das Andere. Die Kreativität nicht ohne die Leere. Das Licht nicht ohne den Schatten. Die Leidenschaft nicht ohne den Schmerz. Die körperliche Höchstleistung nicht ohne die Erschöpfung. Das Leben nicht ohne die Liebe.

Produktsortiment

Sollte sich jemand fragen, wie es denn im Reformhaus ausgesehen hat. Hier noch einmal Eindrücke aus dem reichhaltigen Angebot.

Nicht zu vergessen den Bereich der extrem bequemen Schuhe, auch Gesundheitslatschen genannt.

Und das Wichtigste ist natürlich die Tankstelle.

Sommerpause – noch immer

Es ist geradezu erschreckend wie untätig ich bin. Nix mit malen, keine Ideen, keine Lust. Die Hitze lähmt meine Gedanken, meine Kreativität. Ich nutze die Zeit für Kommunikation, treffe mich mit lieben Freunden, pflege meine sozialen Kontakte und finde neue. Ach ja – und ich habe dabei jede Menge Spaß.

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