Archiv für März 2008|Monatliche Archivseite
Olympia

Manet
Einblick
Die Malerei gewährt Einblicke, die man sonst nicht hat. Den offensichtlichsten Einblick bietet der Akt.
Es gibt aber noch mehr:
Den Einblick in das Wesen des Künstlers, Einblick in das Wesen des Models. Einblick in die Vielfalt des Lebens, in die Harmonien und Disharmonien, Dimensionen und Grenzen des eigenen Verstandes und des Verständnisses anderer.
Alles sehr komplex und richtig gut.
Aber, dieser Einblick ist einfach nur schön.


Ruhe im Herzen
Die letzten Tage sind ohne Malen vergangen. Andere Dinge haben sich in den Vordergrund gedrängt. Organisation der malermanufaktur, Freunde, Ostern. Aber 8 Tage ohne Malen sind einfach zu viel.
Wie einen Süchtigen zum Stoff, so hat es mich an die Staffelei gezogen. Weg mit Homepage, Besorgungen oder Shop. Ich will nur malen. Direkt nach der Arbeit, ohne Pause, hab ich die ersten Schichten Balsam auf die Vorskizzen aufgetragen. Und bin langsam ruhig geworden. Das Leuchten der neuen Farbkomposition Orange, Lila, Pink hat mich beruhigt. Es sieht schön aus.
Dann eine komplette Vorzeichnung, weiße Leinwand und darauf einen neuen Entwurf malen. Ging ratz, fatz. Es war alles schon lange da und wollte schon lange raus. Und endlich wieder tief durchatmen.
Der Höhepunkt aber war das Portrait an dem ich arbeite. Die japanische Frau. Sie ist wunderschön, ernst, aber wunderschön. Und ich bin wieder ruhig im Herzen. Beruhigt, weil ich etwas geschaffen haben. Beruhigt, weil ich meiner Lieblingsbeschäftigug nachgehen konnte.
Beruhigt, weil mich malen beruhigt.
At night
I like to paint at night, if people come to rest. I need the silence and the darkness for my concentration. At night I have the sense being alone with me and my ideas.
At night creativity, color and music are left. Everything else is reduced to itself. No noises from the street, no phone, no daylight, no cars, no shops, no dates and no work. The night allows a focus on art, everything else is invisible.
At night I hear myself better, I trust myself more than by day. It seems that the darkness will give safety, a safety which is taken from the daylight.
At night I make my own lights and shadows on paintings and in my live. Every sense is touchy: the smell of oil color, the look at shades, the felling of the canvas, the sound of music and sometimes the smell of wine.
The pleasure about the works of art is bigger at night. There’s more space for my laughter, more space for my delight, more space for wondering. No critique, no foreign ideas, only the night, art and me.
Das ist der Rest

Da kauf ich eine riesige Rolle Leinen mit 10 m Länge und 2,1 m Breite und jetzt ist es aus! Die letzten Zuschnitte stehen zur Bespannung bereit und dann ist Schluss. Wie konnte das passieren?
Es muss daran liegen, dass ich ständig neue Rahmenleisten bespanne. Dass ich die große Rolle stückchenweise zuschneide und zu Bildern verarbeite. Die Rolle war schon verdächtig leicht als ich sie rumgetragen und abgerollt hab und plötzlich war das Leinen aus.
Tröstlich ist nur, dass diese Bilder erst mal gemalt werden müssen bevor ich Nachschub brauch. Also erst mal kein Grund zur Panik.
Schade ist, dass ich mir damit endgültig jeden Schnickschnack zur bevorstehenden Ausstellung abschminken kann. Für eine Rolle Leinen darf ich rund 250,- EUR hinblättern. Da bleibt kein Spielraum für Spielereien. Gott sei Dank bin ich ein genügsamer Mensch und beschränke mich mal wieder auf das Allernötigste:
Rahmen, Leinen, Farbe und Pinsel
Krach machen
Endlich Samstag, endlich kann ich Krach machen. An einem Karfreitag kann ich schließlich nicht hämmern und klopfen.
Aber jetzt werden die fertigen Kunstwerke aus dem Arbeitszimmer verbannt und im Gang aufgehängt. Dummerweise muss ich zwei Bilder abhängen, sonst wird der Platz doch zu wenig. Und dummerweise hab ich die Bilder erst letzte Woche aufgehängt, na, das war wohl ein Fehler in der Planung.
Und wenn ich schon gerade Bilder umhänge, dann bring ich auch gleich den Bildnachweis hinten am Bild an. Also raus mit dem Elektrotacker. Der verabschiedet sich leider wärend der Arbeit und macht nicht mehr wirklich viel Krach.
Aber ich hab ja noch den Hammer, dann bau ich gleich ein paar neue Rahmen auf. Ich ignoriere mutig, dass eigentlich gerade Mittagsruhe ist, schließlich bin ich erst vor 1 h aufgestanden.
Nach 3 Stunden hämmern, tackern, hin- und herlaufen und hin- und herräumen bin ich froh, dass Samstag ist.
Eine perfekte Ausrede um nichts zu tun.
Wenn’s mal wieder länger dauert
Ölmalerei braucht Zeit. Zeit beim Entwurf, Zeit bei der Malerei und Zeit bei der Trockung. Nur die ersten beiden Schichten sind innerhalb eines Tages trocken. Sie bestehen auch nur aus Wasser – Wasser mit Farbe natürlich.
Der bekannte Kreidegrund ist feinporig wie ein Schwamm, er saugt alle Flüssigkeiten in sich auf, egal ob Wasser, Farbe oder Öl. Um eine optimale Sättigung zu erreichen bestehen die ersten Schichten aus Wasser mit Farbe. Diese Vorzeichnung gibt nur den Weg vor, den das Motiv nehmen wird. Von der endgültigen Farbe ist da oft nicht viel zu sehen. Auch die Formen, die Höhen und Tiefen werden erst in den folgenden Schichten festgelegt.
Nach Wasser folgt übrigens Balsam-Terpentilöl, ein leichtes sehr flüssiges Öl. Mit der Zeit wird es mit Leinöl angereichert. Schicht für Schicht wird der Grund gesättigt und das Bild entsteht. Zwischen den verschiedenen Schichten bleibt jede Menge Zeit für Kreativität (Zeit für andere Projekte oder körperliche Aktivitäten). Ab der Balsam-Schicht brauchen die Farbaufträge Zeit zum Trocken. Mit jeder Schicht etwas länger. Gegen Ende steht ein Bild locker eine Woche bevor man weiterarbeiten kann.
Und so sieht es aus, wenn ein Bild trocknet. Das hier ist übrigens fertig und bis ein Firnis aufgetragen werden kann dauert es 8 Wochen – mindestens.

Touch me
The women I actually paint has hands! I’m so happy! Yes, I have to admit that it is difficult for me to paint hands – and feet too. This is the reason why the women on my early paintings have no hands. I tried to avoid this subject in a more or less smart way. After several trials which mainly failed, I suddenly got it.
And now I paint hands. And one can really feel that there are hands with real fingers and feet with real toes. Sometimes I even believe I could touch them and even more I feel that the hands could touch me. As if they would live and could feel themselves.
This is communication – without words.


Don’t look at me

The women I actually paint looks at me. From the first sketch, from the moment I painted her eyes, she looks at me. And the picture stands in viewing direction, if I sit on the coach to relax, if I have breakfast or if I watch TV. That’s intention, not to look at me, but to give me the chance to check the photography with the painting. I can look at her in easy-going situations.
I can define the next work stages easily. I light on the form of her face, her nose or her hands without a lot of thinking. I check the structure of the painting, the colors and the expression. I’m totally relaxed until the moment I realize, that she looks at me.
Her nose is a little bit skewed and her mouth is rubbery. But this doesn’t bother her. She holds her legs, is probably glad about her hands and feet and – she looks at me.
I can’t say the moment, when a painting has a soul. I can see it very early, maybe I imagine this. Whatever. She looks at me.
And I like to look back to her.

Nachts
Nachts, wenn die Menschen zur Ruhe kommen, male ich gerne. Ich brauche diese Ruhe und die Dunkelheit für meine Konzentration. Die Nacht gibt mir das Gefühl allein zu sein, mit mir und meinen Ideen.
Nachts bleibt die Kreativität, die Musik und die Farbe übrig. Alles andere reduziert sich selbst. Kein Straßenlärm, kein Telefon, kein Tageslicht, keine Autos, keine offenen Geschäfte, die besucht werden wollen, keine Termine und keine Arbeit. Die Nacht erlaubt einen Fokus auf die Kunst, alles andere wird ausgeblendet.
Nachts höre ich mich besser, vertraue ich mir mehr als tagsüber. Als würde mir die Dunkelheit die Sicherheit geben, die mir die Helligkeit gerne nimmt.
Nachts bestimme ich über Licht und Schatten, auf meinen Bildern und in meinem Leben. Die Empfindungen aller Sinne sind geschärft: Ölfarbe riechen, Farbtöne sehen, Leinwand fühlen, Musik hören und bisweilen auch Wein schmecken.

Nachts ist die Freude über die geschaffenen Kunstwerke am größten. Dann ist mehr Platz für mein Lachen, mehr Platz für mein Strahlen und mein Staunen. Keine Kritik, keine anderen Ideen, nur die Nacht, die Kunst und ich.
Format
Ein Ölgemälde soll es werden. Aber in welchem Format? Die Wunschfarben sind türkis, orange und braun. Klingt gut und kann sehr schön aussehen. Aber welches Format soll ich wählen?
Die kleinen Dreierserien, die ich derzeit male sind alle quadratisch. Sie leben davon, dass ich jeder Farbe in einem der drei Bilder genügend Raum gebe. Egal welches Format ich wähle, ich sollte genau diesem Anspruch gerecht werden.
Ein extremes Querformat würde mir gefallen – oder extremes Hochformat? Die Vielzahl der Rahmenleisten hilft mir auch nicht bei der Entscheidung. Na gut, Konzentration, wenn es drei Farben sind, dann versuch ich mal zu dritteln. Ein kleines Gemälde hat ca 30 cm Breite x 3 Farben ergibt 90 cm Höhe. Das ganze auf Querformat umgelegt heißt dann wohl 1,00 m breit x 30 cm hoch. Also frei interpretiert, ohne Taschenrechner. Kann mir jeder folgen?
Ich finde es klingt gut – so mach ich es.
Lichter Ocker attisch
Für alle die nicht wissen was das ist – es ist ein Farbton. Was so geschwollen klingt ist das A und O bei der Aktmalerei. So man davon ausgeht, dass die oder der Nackte tatsächlich Haut haben soll. Also nix mit roter Mann oder gelbe Frau. Wenn Haut rauskommen soll kommt irgendwann die Gelbsucht des Models.
Eine schwierige Phase für mich. Da sitze ich vor einem Ölbild und weiß genau, ich muss auf das ganze Bild Lichter Ocker attisch auftragen. Wenn Haut rauskommen soll muss diese Farbe drauf. Böhmisch Grüne Erde übrigens auch. Ohne diese beiden gibt es keinen Hautton. Der Hautton den man kaufen kann erinnert eher an schweinchenrosa. Ohne den Hautton kann ich zwar nicht malen, aber den wirklich echten Hauteffekt erreiche ich nur durch mehrere verschieden farbige Lasuren. Und Lichter Ocker attisch ist Pflicht und das Bild bekommt eine schöne Gelbsucht. Buä. Ich weiß, dass es sein muss, aber ich kann diese Phase gar nicht leiden.
Stark beleuchtete Stellen, ein weißer Hintern oder ein Nasenrücken zum Beispiel brauchen nur ganz wenig Lichter Ocker attisch. Beim aktuellen Protrait der japanischen Frau hab ich eine ganz feine Schicht aufgetragen. In der Hoffnung sie ist dicht genug um zu wirken und dünn genug um den blassen Farbton der Haut zu bewahren. 
Ich hoffe mal, dass alles klappt.
Wenn der Wurm mal drin ist
Es wird langsam ernst. Einige Bilder für die Ausstellung im Juni sind inzwischen fertig. Sie können gerahmt werden. Also bestelle ich beim Großhandel. Es gibt einheitlich schwarze und weiße Glanzlackleisten für alle Werke. Da die Bilder nicht in einem großen Raum hängen, sondern eher eng aneinander gedrängt sind, einheitliche Rahmen für den Betrachter sicher angenehmer.
Und nach einer Woche sind sie da. Die Rahmen. Und ich fahre extra hin um sie zu holen. Und dann kommts:
3 der Rahmen haben die falsche Größe. Was nützt mich ein Rahmen, wenn er 1 cm zu schmal ist? 1 Rahmen ist gar nicht dabei. Bei einem Rahmen ist ein Schenkel um 0,5 cm zu kurz. Und auch mit einem schiefen Rahmen kann ich nichts anfangen.
Aber nicht nur der Rahmenbauer hatte einen schlechten Tag. Ich auch. Eins meiner Bilder ist schief und will nicht in den Rahmen passen. Gott sei Dank bekommt das der Großhändler noch hin. Und was fehlt wird dann eben in der 2. Runde Rahmenbestellung mitgenommen.
Oh Mann ist das alles aufregend.
Fehler im System, Fehler in der Grundierung
Plötzlich und unerwartet schlägt das Schicksal zu. Aus heiterem Himmel werde ich von einer vernichtenden Welle erfasst. Die Katastrophe erwischt mich hart und völlig unvorbereitet.
Quatsch – so schlimm ist es nun auch wieder nicht. Trotzdem ärgerlich. Beim Vorzeichnen auf einer neuen Leinwand sehe ich, dass die Grundierung bricht. Das soll sie nicht tun! Das hab ich ihr nicht erlaubt! Davon abgesehen, dass das Bild, an dem ich arbeiten wollte in die Ausstellung rein sollte, weiß ich gar nicht so recht was ich falsch gemacht habe.
Na gut erst mal Schadensbegrenzung betreiben. Die beschädigte Grundierung kann man runterwaschen und neu anfangen. Nach einer riesen Sauerei in meiner Wanne sehe ich, dass die Leinwand nicht zu retten ist. Also darf ich bei diesem Bild von vorn anfangen. Bei 4 weiteren übrigens auch. Ich schätze mal, dass etwas am Leim nicht in Ordnung war.
Vielleicht habe ich auch nicht sorgfältig genug gearbeitet, oder zu schnell grundiert, zu dick aufgetragen. Also eigentlich trage ich gerne zu dick auf, aber bei der Grundierung ist das gar nicht gut. Ich weiß auch nicht. Wahrscheinlich habe ich diese Lektion gebraucht. Von nun an werde ich mit mehr Umsicht an meinen heißgeliebten Kreidegründen arbeiten.
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