Wie im richtigen Leben

Bei der Malerei muss man sich einlassen. Einlassen auf die Verpflichtung etwas zu Ende zu bringen. Einlassen auf das Risiko, dass etwas nicht so wird wie man es gerne hätte. Einlassen auf einen möglichen Mißerfolg.

Manchmal sitze ich vor einer leeren Leinwand und trau mich nicht anzufangen. Dann habe ich Angst mich festzulegen, auf das, was mich die nächsten Wochen begleiten wird. Und ich weiß nicht was die Zeit bringt. Vielleicht gefällt mir der Weg nach der 5. Malschicht nicht mehr. Oder ich erkenne, dass ich von Anfang an einen Fehler gemacht habe, im Bildaufbau, in der Farbwahl oder viel früher in der Wahl des Bildformats.

Ich hab mal eine Kamera gemalt, sie ist richtig gut, aber leider viel zu klein. Oder die nackte Frau, die noch im Atelier hängt, der Bildaufbau ist stinklangweilig, ich werde sie vom Rahmen nehmen müssen.

Trotzdem muss ich mich einlassen. Nicht jede Idee ist wirklich gut. Und wenn ein Bild nichts wird muss ich es irgendwann verloren geben. Dann ist der Katzenjammer erst mal groß, aber nach ein paar Tagen finde ich mich ab und fang was Neues an.

Wie im richtigen Leben.


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