Archiv für Januar 2008|Monatliche Archivseite
Ruhendes Mädchen – Marie Loise O’Murphy

Das Original ist von Boucher und hängt in der alten Pinakothek in München. Wie das aussieht sieht man hier.
Leinen – ein Erlebnis
Wenn man sich für klassische Malerei entscheidet, steht man vor der Frage welches Leinen man verwenden will. Leinen ist in handlichen Maßen von 1,50 breit x 10 m lang zu bekommen. Natürlich sind auch Anschnittstücke erhältlich, ob man die Qualität bekommt, die man möchte, bleibt aber reine Glücksache. Die Auswahl ist groß und je nach Anforderungen gibt es Leinen mit viel Struktur oder mit wenig, es gibt leichteren Stoff und schwereren. Man kann sich für ‘lebhafte Unregelmäßigkeiten’ entscheiden oder für eine sehr feine Verarbeitung. Aber egal ob dicht oder locker gewebt, was zählt ist das gute Gefühl von Anfang an das Ergebnis zu bestimmen.
Ich will … reines, feines Portraitleinen mit möglichst wenig Unregelmäßigkeiten. Es wäre fatal, wenn die Dame, die ich male, eine Unregelmäßigkeit im Gesicht hat. Quasi einen Pickel, am Besten noch an exponierter Stelle. Das Gemälde würde wohl ein Ladenhüter bleiben.
Malerei – tierisch ernst
In der Malerei tummeln sich viele Tiere – und ich spreche nicht von fertigen Bildern, sondern von tierischem Werkzeug. Nehmen wir den Rotmarderpinsel, Haare aus dem Winterschweif des Rotmarders. Er ist weich und ermöglicht einen pudrigen Farbauftrag. Es gibt aber auch Pinsel aus Rindsohrhaaren, borstiger nicht ganz so wendig – das muss am Tier liegen. Man könnte auch mit russischem Feehaar arbeiten, das sind Pinsel aus dem Schweif von Eichhörnchen, sehr fein, aber wenig elastisch. Am besten wäre hier ein russisches oder kanadisches Eichhörnchen, eignet sich also nur für ‘english spoken picture’. Oder der Ziegenhaarpinsel, krasse Borste, wie das Tier und hoffentlich nicht so geruchsaktiv, gerne verwendet für Kalligrafiepinsel. Dachshaar ist flexibler, weicher und wird als provisorischer Vertreiber angeboten. Nein, hier wird niemand rausgeschmissen, sondern Farbe verteilt.
Zuletzt sei noch der Hasenleim erwähnt, nein nicht buä. Hasenleim wird aus Haut und Knochen eines Hasen gemacht. Ohne Hasenleim kein Kreidegrund. Er dient zum Grundieren des Leinens und ist auch Bestandteil beim Grundierungsgemisch.
Kreidegrund – what a feeling
Der Anspruch ist eine ebene Fläche, eine Fläche, die sich gut anfühlt, wenn man darüber streicht. Grundvoraussetzung für diese Fläche ist der Kreidegrund. In dünnen Schichten wird das Gemisch aus Hasenleim, Wasser, Marmormehl und Titandioxyd auf das Leinen aufgebracht. Am besten eignet sich feines Portraitleinen. Die Zahl der Kreideschichten habe ich nie gezählt. Ich gehe da mehr nach dem Gefühl. Wenn er sich zu rauh anfühlt, wird er geschliffen. Solange noch offene Stellen zu finden sind, wird weiter Kreidegrund aufgetragen. Die Kombination aus auftragen, schleifen und wieder auftragen bildet schließlich eine plane Fläche. Den letzten Schliff bekommt der Grund mit einem sehr feinen Schleifpapier. Ein kreides Gefühl bleibt, fein und weich wie ein Kinderpopo. Der Untergrund ist saugfähig wie ein Schwamm, fein wie Mehl und weiß wie Schnee.
Meine Hände sind danach übrigens rauh wie Sandpapier, meine Nase verstopft wie beim Pollenflug im Frühjahr und meine Augen rot unterlaufen – schließlich ist es meist schon spät in der Nacht.
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